Harman Kardon SB 16: Optisch dezente Soundbar mit sehr gutem Klang, aber Macken bei der Fernbedienung

von Gerald Strömer und Matthew Moskovciak am , 19:33 Uhr

Pro
  • exzellenter Klang für eine Soundbar
  • Verarbeitungsqualität und Design übertrumpfen typische Budget-Soundbars
  • zwei digitale Audio-Eingänge sollten für "normale" Heimkino-Setups ausreichen
Con
  • sehr großer Subwoofer
  • Lautstärke wird über TV-Fernbedienung gesteuert: kann zu nervigen Onscreen-Einblendungen führen
  • teuer
Hersteller: Harman/Kardon Listenpreis: 599 Euro
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das Harman Kardon SB 16 hat einen recht hohen Preis und eine gewöhnungsbedürftige - wenn auch grundsätzlich simple - Bedienung, aber sein exzellenter Klang und das elegante Design lassen den Preis angemessen erscheinen.

Auf den ersten Blick mag das Harman Kardon SB 16 wie ein Ladenhüter aussehen: Es ist mit 599 Euro teurer als die meisten konkurrierenden Soundbar-Systeme und hat einen riesigen Subwoofer, der der „Weniger ist mehr“-Fraktion unangenehm aufstoßen wird. Aber diese Bedenken vergehen beim Auspacken: Design und Verarbeitungsqualität liegen deutlich über dem Durchschnitt und die Größe des Subwoofers ist nicht nur Show, sondern einer wichtiger Baustein des guten Klangs. Das System mag nicht zu jedem passen, ist aber eine der besten Performance-orientierten Soundbars überhaupt, die keinen AV-Receiver benötigen. Wenn da nur die Macke nicht wäre, die die Fernsteuerung des SB 16 betrifft…

Das Harman Kardon SB16 [1] ist ein Heimkino-Soundsystem im Soundbar-Format und wird vom Hersteller mit einem Listenpreis von 599 Euro geführt. Am deutschen Markt ist das System für rund 500 Euro erhältlich.

Design und Ausstattung

Die Soundbar des SB 16 ist zwar wie viele günstige Konkurrenten vorrangig aus Kunststoffen gefertigt, bringt mit knapp 3,7 Kilogramm aber ein deutlich höheres Gewicht als sie auf die Waage – das ist grundsätzlich ein gutes Zeichen. Die 92 mal 11 mal 8,9 Zentimeter große Soundbar fühlt sich jedenfalls solide an und weiß mit ihrem zurückhaltenden, schlichten Design durchaus zu gefallen. Die Front wirkt sehr aufgeräumt: Ein Display sucht man vergebens, die wenigen Bedienelemente sitzen allesamt auf der Oberseite. Der Verzicht auf die Integration eines Display bringt aber auch den Nachteil mit sich, dass man nicht mit einem Blick erkennen kann, wie laut das System gerade eingestellt ist und wie viel Luft noch nach oben ist.

Das Überraschendste am SB 16 ist allerdings die Größe des riesigen Subwoofers, der mit Abmessungen von 48 mal 38 mal 38 Zentimetern und einem Gewicht 15,4 Kilogramm ausgesprochen groß für den Subwoofer eines Soundbar-Systems ist. Diese voluminösen Maße werden etliche Interessenten wohl von einem Kauf abhalten, da man ein Soundbar-System ja vorrangig in der Hoffnung auf weniger Platzbedarf anschafft. Andererseits sollte man nicht vergessen, dass der Subwoofer kabellos angesteuert wird und somit leicht in einer Ecke des Raums positioniert werden kann, wo er nicht stört.

Im Gegensatz zu vielen anderen Soundbar-Subwoofer-Kombinationen sind die Eingänge des SB 16 auf der Rückseite der Soundbar selbst und nicht am Subwoofer zu finden. Das kann zwar zu verstärktem Kabelsalat am Fernseher selbst führen, hat aber eben auch den Vorteil, dass der Subwoofer – der wie gesagt ein ziemliches Monster ist – nicht in der Nahe von Fernseher und Receiver stehen muss.

Insgesamt gibt es drei – einen analogen (rot/weiße Cinch-Anschlüsse) und zwei digitale (einmal optisch, einmal koaxial) – Eingänge. Wer also mehr als drei Audioquellen mit der Soundbar verbinden will, muss dann den Fernseher oder den Receiver als Schaltstelle benutzten.

Das Harman Kardon SB 16 hat allerdings ein grundlegendes Designmerkmal, das man abhängig von den persönlichen Vorlieben als negativ oder positiv einstufen kann: Das Soundsystem hat keine eigene Fernbedienung und ist somit auf die des Fernsehers angewiesen. Dazu müssen im Setup des Fernseher die Wiedergabe der internen Lautsprecher ausgeschaltet oder auf „externe Lautsprecher“ umgestellt werden. Wenn man dann auf der TV-Fernbedienung die Lautstärke erhöht, reagiert das Harman-Kardon-System und nicht der Fernseher. Die Absicht des Herstellers, die Bedienung zu vereinfachen, ist zwar lobenswert, aber in der Praxis funktioniert das Ganze dann leider doch nicht mit jedem Fernseher absolut perfekt.

Im Test haben wir folgendes Problem: Wenn die internen Lautsprecher des Fernseher wie von Harman Kardon empfohlen ausgeschaltet sind und er ein Lautstärke-Kommando empfängt, blenden einige HDTVs eine Mitteilung im Sinne von „TV-Lautsprecher abgeschaltet“ auf dem Bildschirm ein. Jedes Mal, wenn man die Lautstärke des SB 16 ändern will (was oft sein kann, wenn man beispielsweise die Lautstärke in einem Film gern anpasst), sieht man dann diese nervige Bildschirmeinblendung.

Da bei unseren US-amerikanischen CNET-Kollegen eine ganze Menge moderner HDTVs im Testlabor stehen, haben wir einfach einmal geprüft, wie viele eine solche Meldung einblenden. Das Ergebnis: Etwa die Hälfte. Neue HDTVs von Sony [2] und Panasonic zeigen eine solche Nachricht, neue Modelle von Samsung [3] dagegen nicht (wobei ein älterer Samsung-TV sehr wohl eine Mitteilung anzeigte).

Glücklicherweise können Interessenten bereits vor dem möglichen Kauf eines SB 16 ganz einfach prüfen, ob das auch für den eigenen Fernseher gilt. Dazu geht man ins Menü des Fernsehers und schaltet dessen interne Lautsprecher ab oder wechselt die Einstellung auf „externe Lautsprecher“. Danach verlässt man das Menü und ändert einfach mal die Lautstärke. Wer dann eine solche Nachricht sieht, sollte sich überlegen, wie sehr sie erstens stört und ob das SB 16 zweitens wirklich das Wunschsystem ist.

Praktischerweise sind alle wichtigen Kontrollen – Ein/Aus, Lautstärke und Quellenwahl – aber auch am SB 16 selbst realisiert, so dass man bei ernsten Probleme mit der Fernbedienung immer noch eine Ausweichmöglichkeit hat. Dennoch hätten wir eine kleine eigene Fernbedienung im Lieferumfang vorgezogen – selbst wenn es nur aus dem Grund wäre, eine lernfähige Fernbedienung (z.B. eine Logitech Harmony) programmieren zu können.

Setup

Das SB 16 benötigt zwar keine Lautsprecherkalibrierung, bietet aber dennoch Möglichkeiten zum Tuning des Sounds. Da gibt es beispielsweise einen „Trim“-Schalter, der die Eingangsempfindlichkeit in drei Schritten regelt. Ab Werk wird das System auf der Einstellung „1“ ausgeliefert, mit der das System für unseren Geschmack selbst bei voll aufgedrehter Lautstärke zu leise ist. Die Einstellung „2“ erhöhte die maximale Lautstärke bereits weit genug für uns. Neben dem „Trim“- gibt es auch noch einen „Wall-Table“-Schalter, der die tonale Balance per Equalizer an Wand- oder Tischmontage anpasst.

An der Rückseite des Subwoofers finden sich ebenfalls physische Kontrollen, hier für Crossover, Lautstärke und Phase. Die ersten beiden haben einen großen Einfluss auf die subjektiv wahrgenommene Sound-Balance des SB 16. Wir stellten die Lautstärke des Subwofers auf etwa drei Viertel und den Crossover auf etwa 125 Hz (der Bereich geht von 50 bis 150 Hz). Jedenfalls kann man diese Einstellungen nach Gehör machen und so einen möglichst glatten Übergang von Subwoofer und Soundbar erreichen. Den Phasen-Schalter empfiehlt Harman Kardon auf „0“ zu setzen, was für uns auch gut funktioniert. Die alternative Position „180“ mag abhängig vom Raum aber durchaus ein besseres Ergebnis erzielen; hier sollte man einfach mal experimentieren und schauen, was besser klingt.

Und noch kurz zur Positionierung des Subwoofers: Laut Harman Kardon kann der Subwoofer zwar „überall“ im Raum platziert werden, aber für den besten Klang würden wir ihn maximal anderthalb bis zwei Meter von der Soundbar entfernt aufstellen.

Performance

Das SB 16 hat einen „größeren“ und volleren Sound als jede andere Soundbar mit integriertem Verstärker (benötigt also keinen AV-Receiver), die wir seit Längerem getestet haben. Dafür ist natürlich primär der große Subwoofer verantwortlich, aber dennoch haben wir nie das Gefühl, dass der Bass überbetont ist oder der Subwoofer sich zu sehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt.

Beim Test mit unseren „Folter“-Discs Master and Commander und Black Hawk Down beeindruckt uns das Harman Kardon SB 16, das auch unter Druck seine Haltung wahrt. Schüsse, Geschützfeuer und Explosionen in großen Kampfszenen klingen sauberer und weniger verzerrt als bei den meisten anderen Soundbars. Trotz der Größe des Subwoofers ist der Bass zwar nicht ausgesprochen kraftvoll oder tief, dafür aber qualitativ hochwertig und knackig. Dialoge und Gespräche klingen selbst dann natürlich, wenn die 3D Surround-Nachbearbeitung des SB 16 aktiviert ist – und das ist bei Stereo-Soundbars mit imitierten Surround-Effekten selten genug der Fall. Harman Kardons 3D Surround-Feature generiert zwar keinen raumfüllenden 3D-Surround-Sound, verhilft der Soundbar aber zu einer weiteren Soundstage, die weit über die physischen Grenzen der Soundbar hinausgeht.

Auch der Film „3:10 to Yuma“ demonstriert, wie gut das SB 16 ist: Wenn beim Raubüberfall die Kugeln fliegen und metallisch klirrend von der gepanzerten Postkutsche abprallen und das Echo der Gewehrschüsse von den Bergen zurückgeworfen wird, klingt das schon sehr realistisch.

Unseren Musik-Check starten wir mit der „The Gipsy Life“-Blu-ray des Sängers und Songschreibers John Gorka. Das Timbre der akustischen Musik klingt natürlich und die dynamischen Schattierungen von Gorkas Stimme, Piano und Gitarre sowie dem Rest der Band werden nuancierter reproduziert als bei den meisten anderen Soundbars. Was die Klarheit und Präzision der Höhen und die allgemeine „Leichtigkeit“ angeht, ordnet sich das SB 16 ebenfalls über dem Durchschnitt ein – und das spielt durchaus eine Rolle bei der Erzeugung einer weiten und tiefen Soundstage. Alles in allem erreicht das SB 16 bei der Musikwiedergabe fast das Niveau eines guten dedizierten 2.1-Lautsprecher-Sets und lässt damit viele Soundbar-Systeme weit hinter sich.

Rock-Musik von CD zeigt dem SB 16 dann aber seine Grenzen auf. Wenn man hier auf volle Lautstärke geht, klingt das Soundsystem zunehmend angestrengt. Aber selbst so war es auch hier einen Tick besser als der Durchschnitt.

Alles in allem kann man die Performance des Harman Kardon SB 16 als exzellent bezeichnen.

Fazit

Das Harman Kardon SB 16 ist zwar recht teuer und kann in Sachen Fernbedienung abhängig vom TV-Modell nerven, bietet aber einen für eine Soundbar erstklassigen Klang und punktet mit seinem unaufgeregten Design und hochwertiger Verarbeitung. Wer eine gute Soundbar für seinen HDTV sucht, sollte das SB 16 daher unbedingt im Kreis der Favoriten belassen, vor einem möglichen Kauf aber sicherheitshalber die von uns angesprochenen Fernbedienungsproblematik am eigenen Gerät ausprobieren.

Spezifikationen

  • Wireless - nein

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41564861/harman-kardon-sb-16-optisch-dezente-soundbar-mit-sehr-gutem-klang-aber-macken-bei-der-fernbedienung/

URLs in this post:

[1] Harman Kardon SB16: http://de.harmankardon.com/harman-kardon-produkt-detail-de/sb-16.html

[2] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[3] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/