Der Standfuß arretiert angenehm sicher und neigt das Tablet auf einer ebenen Unterlage um etwa 10 Grad nach hinten. Wir sind riesige Fans integrierter Standfüße bei Tablets – und der des Surface ist die beste Implementierung, die wir bislang gesehen haben. Er ist robust, einfach zu nutzen und fühlt sich klanglich und vom Gefühl her beim Einrasten und Lösen befriedigend hochwertig an.

Das Tablet wiegt 680 Gramm, fühlt sich aber nicht merklich schwerer an als Apples iPad – zumindest dann nicht, wenn man das Tablet mittig hält. Hält man es dagegen nur an einer Kante fest, machen sich das längere Gehäuse und das höhere Gewicht deutlicher bemerkbar. Das Surface ist ein bisschen klobiger als die meisten Premium-Tablets der 10-Zoll-Klasse, was vermutlich auf die Integration des Standfußes zurückzuführen ist. Obwohl Microsoft sein Möglichstes getan hat, um das Gewicht des Tablets gleichmäßig zu verteilen, fühlt es sich trotz des von uns geschätzen Widescreen-Displays etwas zu lang und zu linkisch an, wenn man es in der Hand hält. Unsere Empfehlung: Nutzt wann immer möglich den Standfuß.

Der microSD-Slot wird ziemlich effektiv vom eingeklappten Standfuß verborgen. Nur wenn der ausgeklappt ist, wird der Port enthüllt.
Der microSD-Slot wird ziemlich effektiv vom eingeklappten Standfuß verborgen. Nur wenn der ausgeklappt ist, wird der Port enthüllt.

Touch Cover

Es ist schon eine seltsame Entscheidung, das Touch Cover nicht mit dem normalen Surface mitzuliefern. Denn zu sagen, dass die Schutzhülle eine vorherrschende Rolle in Microsofts Werbekampagne rund um das Surface gespielt hat, dürfte für jedermann ein offensichtliches Untertreibung sein, der allein den ersten Werbe-Clip zum Surface gesehen hat. Jedenfalls muss man das (weiße) Touch Cover separat für 120 Euro kaufen, wenn man das Basismodell (32 GByte) des Surface für 479 Euro erwirbt. Bei den 579 und 679 Euro teuren Modellen (32 bzw. 64 GByte) wird das Touch Cover mitgeliefert.

Nach etlichen Tagen der testweisen Nutzung konstatierte unser US-Kollege Eric Franklin, dass das Touch Cover (oder das Type Cover; siehe weiter unten) eine essenziell wichtige Komponente ist, wenn man die Möglichkeiten des Surface voll ausschöpfen will. Das Touch Cover fungiert gleichzeitig als Bildschirmschutz und physische Tastatur. Es verbindet sich mit einem äußerst befriedigenden – und irgendwie süchtig machenden – „Crunch“-Sound magnetisch mit der unteren Gerätekante. Microsoft hat zugegeben, nicht wenig Zeit damit verbracht zu haben, diesen Klang genau hinzubekommen – so wie Porsches Sound-Ingenieure so lange an einem Neufahrzeug feilen, bis es richtig und nach Porsche klingt. Jedenfalls hat Microsoft diese Abstimmung sehr gut hinbekommen und bedient sich dabei anscheinend des gleichen Bereichs in unseren Hirnen, der einen dazu verführt, immer mehr dieser knusprigen Chips einzuwerfen, wenn man einmal eingefangen hat.

Die vielen Farben des Touch Cover.
Die vielen Farben des Touch Cover.

Die Magnete sorgen für eine sehr feste und sichere Verbindung zwischen Tablet und Tastaturhülle; man kann die ganze Konstruktion am Keyboard selbst halten, während das Tablet nach unten hängt. In dieser Position kann man das Tablet sogar hin und her schwingen, ohne das sich die beiden Komponenten trennen – wenn man es nicht übertreibt. Jedenfalls ist die Verbindung stabiler als die zwischen Apples iPad und seinem Smart Cover. Wo wir schon dabei sind: Wie das Smart Cover beim iPad versetzt auch das Touch Cover das Surface in den Sleep-Modus, wenn es zugeklappt wird.

Laut Microsoft werden die meisten Anwender vier bis fünf Tage brauchen, um sich an das Tippen auf dem Touch Cover zu gewöhnen – und das ist eine faire Schätzung. Die größte Umstellung, an die sich Eric im Test gewöhnen musste, waren die praktisch absolut flachen Tasten, die sich nicht herabdrücken, wenn man sie anschlägt. Nach vielen Jahren des Tippens auf Tastaturen, die fast ausschließlich mit eindrückenden Tasten arbeiten, ertappt man sich hier bei Überkompensieren, was in schmerzenden Fingerkuppen resultiert. Aber bereits am zweiten Tag waren die anfänglichen leichten Schmerzen vergessen.

Das Surface lässt sich gut auf dem Schoß einsetzen. Man sollte nur sicherstellen, dass man sich nicht nach vorn beugt – der Standfuß verkrümelt sich dann blitzschnell.
Das Surface lässt sich gut auf dem Schoß einsetzen. Man sollte nur sicherstellen, dass man sich nicht nach vorn beugt – der Standfuß verkrümelt sich dann blitzschnell.

Das Tippen auf dem Schoß braucht aber in der Tat Gewöhnung, denn das kartonartige Gefühl beim Tippen auf dem Touch Cover ist anfänglich äußerst seltsam. Und wenn man nicht aufpasst oder keine Hosen trägt, graben sich die Ecken des Standfußes in die Oberschenkel. Und wenn man beim Arbeiten dazu tendiert, sich nach vorn zu beugen und einen Buckel zu machen, kann das Tablet leicht nach hinten kippen und dabei den Standfuß einklappen.

Dank des großen Gehäuses des Surface ist auch das Touch Cover größer als die meisten Konkurrenz-Designs und bietet somit ein geräumigeres Areal zum Tippen, was einen deutlich höheren Komfort von Händen und Handgelenken resultiert. Die Hände können sich im Vergleich zu anderen Tablet-Keyboards – beispielsweise die für Asus‘ Transformer-Modellreihe oder die Tastaturen für das iPad – ein wenig weiter ausbreiten.

Die Unterseite des Touch Cover ist mit einem weichen, glatten und filzigen Schonbezug versehen.
Die Unterseite des Touch Cover ist mit einem weichen, glatten und filzigen Schonbezug versehen.

Bei den meisten Tablets schalten wir die in der Regel nervig schrillen Tipp-Soundeffekte ab, bevor wir auch nur den ersten Anschlag gemacht haben. Dankenswerterweise erinnert das Tippgeräusch des Surface-Keyboards aber weniger an brechendes Glas, sondern an leise, rhythmische Bongo-Trommeln. Da die Tasten sich ja nicht eindrücken lassen, ist dieser Bongo-Trommel-Sound das einzige direkte Feedback, das man beim Tippen bekommt, und ist daher essenziell wichtig, um sich an das Schreiben auf der sich einzigartig anfühlenden Tastatur zu gewöhnen. Nach ein paar Tagen werden sich die meisten Anwender aber soweit an dieses besondere Schreibgefühl gewöhnt haben, das Trommelklänge nicht länger nötig sind.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu Microsoft Surface: Innovatives, aber leider in einer App-Wüste gestrandetes Windows-RT-Tablet

  • Am 27. Oktober 2012 um 13:29 von Kris Paiper

    !?
    "…aber leider in einer App-Wüste gestrandetes Windows-RT-Tablet" – habt ihr das auch bei dem Start von Apple Store gesagt? Microsoft hat mehr Apps als Apple am Anfang von iPad! Klar, dass es noch nicht so viele sind!

  • Am 27. Oktober 2012 um 13:46 von Peter

    App Store: Qualität statt Quantität
    Folgende Informationen zu dem AppStore gibt es auch:

    Microsoft-Manager Antoine Leblond hat angegeben, dass sich der Konzern bewusst nicht breit zu den Apps in Windows 8 geäußert hat. Seiner Meinung nach hätte das zu unnötigen Diskussionen geführt. Leblond erklärt, Microsoft setze bei der App-Auswahl auf Qualität statt Quantität. Beispielsweise überwache das Unternehmen die Entwickler, damit die nicht verschiedene Apps mit ähnlichen Inhalten anbieten, sondern zu einer Applikation zusammenfügen.

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