Gesperrte YouTube Videos sehen: Wie kann man Geoblocking umgehen?

von Thomas Wingenfeld am , 12:35 Uhr

Vor ein paar Jahren waren gesperrte YouTube-Videos für viele Internetnutzer ein alltägliches Problem. Mittlerweile hat sich die Situation geändert, aber noch immer sind einige Videos auf YouTube in Deutschland nicht verfügbar.

Vor ein paar Jahren waren gesperrte YouTube-Videos für viele Internetnutzer ein alltägliches Problem. Mittlerweile hat sich die Situation geändert, aber noch immer sind einige Videos auf YouTube in Deutschland nicht verfügbar.
Warum das alles so ist, welche Berechtigung die Sperre hat, wie man sie mit einem VPN [1] umgehen kann (nicht nur für YouTube) und ob das legal ist – all das erklären wir in diesem Artikel.

Gesperrtes Video ohne eingeschaltetes VPN

Welche Videos sind gesperrt?

Sind Videos nicht verfügbar, so liegt das in der Regel an Ländersperren, bzw. am sogenannten Geoblocking. Die häufigste Sperrmeldung betrifft das Urheberrecht von Songs und Musikvideos. Die Zeiten, in denen 60% der 1000 beliebtesten Videos auf YouTube nicht verfügbar waren, sind zwar vorbei. Doch noch immer gibt es urheberrechtsbezogene Sperren. Film und Ton dürfen in vielen Fällen nicht ohne die entsprechende Lizenz weiterverbreitet, bzw. weiterverwendet werden. Die Rechtslage ist je nach Land unterschiedlich und Deutschland war in diesem Fall immer besonders streng. Eine Sperre kann von Behörden wie der GEMA gefordert werden, wird aber in der Regel aktiv durch YouTube selbst oder denjenigen, der die Videos hochlädt, hinzugefügt. Ein YouTuber kann beim Upload auch einfach entscheiden, dass ein Video nur in einer bestimmten Region verfügbar sein soll.

Warum Musik auf YouTube streamen?

YouTube wird nach wie vor gerne zum Musik Hören verwendet, obwohl sich Services wie Spotify oder Amazon Music etabliert haben, die auf das Streamen von Musik spezialisiert sind. YouTube hat gerade aufgrund der nicht-lizenzierten Inhalte eine ungleich größere Bibliothek als Spotify. Spotify kommt auf etwa 50 Millionen Titel, was vielleicht ein Spitzenwert für “offizielle” Songs ist – die Dunkelziffer ist bei YouTube allerdings höher, da alle möglichen Live-Mitschnitte, Remixes, Cover-Versionen und eigenproduzierte Videos hinzukommen.

Was ist die GEMA?

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) verwaltet die Nutzungsrechte für die Werke vieler Künstlerinnen und Künstler. Sie arbeitet zudem mit ähnlichen Gesellschaften aus anderen Ländern zusammen, die zum Teil von den Major-Labels selbst begründet wurden. Für die öffentliche Aufführung dieser Werke muss – von bestimmten Ausnahmen abgesehen – eine Gebühr an die GEMA bezahlt werden, die diese über einen Schlüssel an ihre Mitglieder weitergibt.

Wie hat sich die GEMA mit YouTube geeinigt?

Im Jahr 2009 lief der bisherige Vertrag zwischen GEMA und YouTube aus und viele Videos wurden gesperrt. Deutschland war, obwohl es keine politische Zensur gibt, einer der Spitzenreiter, was die Anzahl gesperrter Videos anging. Nach langem Rechtsstreit wurde 2016 ein neuer Vertrag geschlossen und die meisten Sperren verschwanden (im Gegenzug werden wieder Tantiemen an die Künstler bezahlt). Dass es weiterhin gesperrte Videos gibt, liegt daran, dass nicht alle Lizenz-Fragen geklärt wurden – auch zwischen YouTube und anderen Gesellschaften – und es weiterhin unterschiedliche Rechtsauffassungen gibt. Eine Frage ist z.B., ob YouTube als Host oder nur der Uploader selbst verantwortlich für die Wahrung des Urheberrechts verantwortlich sind.

Gibt es Zensur auf YouTube?

Es gibt einen Jugendschutzfilter, sodass für manche Videos ein Altersnachweis gefordert wird. Und natürlich können Videos vollständig gelöscht werden. Die Frage ist, in welchen Fällen diese Zensur geschieht und ob sie gerechtfertigt ist. Grundsätzlich hat Google [2], der Besitzer von YouTube, das Recht, Videos zu entfernen oder erst ab 18 Jahren freizugeben, da es eine private Organisation ist. In vielen Fällen, wenn es etwa um harte Pornografie oder Gewalt geht, liegt eine klare Rechtslage vor. Für Kontroversen sorgt die Indizierung von Videos, die Verschwörungstheorien oder die leidigen Fake News verbreiten. Das ist vor allem eine ideologische Diskussion: Will man es Zensur oder Aufklärung nennen?
Wichtiger ist eigentlich die Frage, ob es Zensur von YouTube gibt. Dies ist der Fall in einigen Ländern, in denen das Internet ohnehin stärker zensiert wird, etwa China, Nordkorea oder der Iran.

Was genau ist Geoblocking?

Umgangssprachlich verstehen wir unter Geoblocking länderspezifische Einschränkungen beim Zugriff auf Streamingdienste wie Netflix oder Disney+ und Plattformen wie YouTube. Netflix stellt etwa je nach Land eine unterschiedliche Auswahl an Serien und Filmen zur Verfügung; auch weil es oft Koproduktionen mit lokalen Fernsehsendern gibt, die dann die Ausstrahlungsrechte für das Land haben. Interessanterweise sind aber gerade diese Einschränkungen von der europäischen Geoblocking-Verordnung ausgenommen. Die Bundesnetzagentur [3] schreibt, dass es rechtlich gesehen vor allem um den Erwerb von Waren und bestimmten Dienstleistungen im Ausland geht. Ein Beispiel wären etwa andere Preise für Touristen als für Einheimische oder ein Onlineshop, der je nachdem, aus welchem Land man auf ihn zugreift, andere Preise anzeigt. Das Prinzip ist aber ähnlich wie bei Streaming-Seiten und kann mit der gleichen Methode, die wir unten beschreiben, umgangen werden.

Wie kann ich die Sperre umgehen?

Man kann mit Hilfe eines VPNs auf Videos zugreifen, die aus rechtlichen Gründen nicht in Deutschland, aber in anderen Ländern verfügbar sind. Das funktioniert auch in anderen Ländern, falls YouTube aufgrund von Zensur gesperrt sein sollte. YouTube identifiziert den Standort eines Nutzers anhand der IP-Adresse. Der Inkognito-Modus oder die Nutzung eines anderen Browsers ändern daran nichts. Aber durch die Umleitung über einen Server mit Standort in einem anderen Land wird auch eine IP-Adresse von dort angenommen. Wenn das Video in diesem Land verfügbar ist, kann man es nun ansehen. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch TOR und Proxy. Diese bieten allerdings nur eine Umleitung, während ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) auch die Verbindung verschlüsselt. Zudem hat sich die Technik in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt, sodass VPN oftmals die schnellste Alternative bleibt.

Wie funktioniert ein VPN?

Ein virtuelles privates Netzwerk zu nutzen ist kinderleicht:

1. ExpressVPN [1] herunterladen und installieren
2. Free trial in Anspruch nehmen oder gleich Abo abschließen
3. Serverstandort auswählen und mit einem Klick ist man verbunden
4. ExpressVPN bietet verschiedene “VPN-Protokolle” und Zusatzfunktionen an, mit denen man sich auseinandersetzen kann, aber nicht muss
5. VPN nach Bedarf verwenden. Um der eigenen IT-Sicherheit willen sollte man es aber am besten immer eingeschaltet lassen.

Ist die Umgehung von Geoblocking legal?

Zunächst ist wichtig zu betonen: Die Nutzung von VPNs ist in Deutschland und den meisten Ländern der Welt absolut legal! Die dadurch ermöglichte Umgehung von Geoblocking mag zwar unerwünscht sein, ist aber nicht das gleiche wie eine Urheberrechtsverletzung. Diese würde in der nicht genehmigten Weiterverwendung des Contents bestehen, nicht unbedingt im bloßen Konsum. Ähnlich wie beim Streamen von raubkopierten Serien handelt es sich um eine Grauzone, die in der Regel nicht strafrechtlich verfolgt wird. Wir können also recht bedenkenlos den Gebrauch eines VPNs empfehlen, zumal die Überwindung von YouTube-Sperren nur eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten ist. Grundsätzlich gilt aber: Was ohne VPN erlaubt ist, ist mit VPN ebenfalls erlaubt und umgekehrt gibt es keine Ausnahmeberechtigung für Dinge, die ohne VPN verboten sind. In diesem konkreten Fall ist jedoch die einzige Gefahr, dass man gegen die AGB und Nutzungsbedingungen [4] von YouTube verstoßen und eine Sperrung seines Kontos riskieren könnte. Es scheint aber nicht so, als habe Google ein großes Interesse daran, dieser Sache aggressiv nachzugehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/88189247/gesperrte-youtube-videos-sehen-wie-kann-man-geoblocking-umgehen/

URLs in this post:

[1] VPN: https://www.expressvpn.com/de/what-is-vpn

[2] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[3] Bundesnetzagentur: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/Unternehmen_Institutionen/Digitalisierung/Geoblocking/Geoblocking-node.html

[4] Nutzungsbedingungen: https://www.youtube.com/static?gl=DE&template=terms&hl=de