Videos wie die Hollywood-Kameraleute: Mit diesen 7 Tipps werdet ihr perfekt

Egal ob es für euren YouTube-Channel ist, die Hochzeit einer Freundin oder als spaßiges Kunstprojekt: Es gibt viele gute Gründe, um Videos zu erstellen. Doch für höchste Qualität braucht ihr mehr als bloß eine gute Kamera.

Schwenks, die so kristallklar beginnen und enden, dass es wirkt, als würde ein Roboter die Kamera halten. Szenen, die so aneinandergereiht sind, dass sie wie eine klassische Musikkomposition wirken. Und niemals hört man im Off irgendeinen störenden Ton.

Wenn ihr euch heute einen beliebigen Hollywoodfilm oder eine ähnlich professionell gemachte Serie zu Gemüte führt, dann betrachtet ihr das Endergebnis von fast einem Jahrhundert professioneller Bewegtbilderstellung zu. Egal ob es der unter Cineasten legendäre Superzoom am Anfang von Django Unchained ist oder die fast wie ein Musikvideo choreografierten Schießereien in den John-Wick-Filmen: all diese Augenschmäuse wirken deshalb so gut, weil an der Kamera Meister ihres Fachs standen, die von Jahrzehnten der Entwicklung zehren.

Ihr wollt auch für eure Videos derartige Qualität hinbekommen? Dann lest euch die folgenden Tipps genau durch und handelt danach – denn auch wenn nicht jeder ein Hollywood-Kameramann sein kann, so kann sich doch jeder bei ihnen Tricks abschauen.

Tipp 1: Kein „Action!“ ohne Plan

Habt ihr euch schon einmal ein Drehbuch durchgelesen? Wenn nicht, könnt ihr euch die Drehbücher der Nominierten für den deutschen Filmpreis der jüngsten Jahre einmal anschauen. Was euch auffallen wird ist, wie viel detaillierter als ein normaler Roman diese Bücher sind.

Sie sind es deshalb, weil daraus bereits grobe Handlungsanweisungen hervorgehen. Komplettiert werden sie durch das Storyboard, aus dem alles Weitere hervorgeht:

– Die Einstellung der Kamera und ihr Standort
– Zusätzliche Hinweise zur Szene
– Zeiten, wie lange Einstellungen und Szenen dauern sollen (in Sekunden)

Dazu gehören meist auch Skizzen der jeweiligen Szene. Auf diese Weise müssen Kameraleute nur noch klare Pläne unter Federführung der Regie abarbeiten.

Ihr müsst natürlich nicht für jedes Urlaubsvideo Drehbücher und Storyboards verfassen, das wäre etwas übertrieben. Wohl aber solltet ihr euch immer Gedanken darüber machen, was ihr aus welcher Position für wie lange in welcher Form einfangen möchtet. Falls Ihr alles planen könnt, dann tut es auch – und wenn es nur Kurznotizen sind.

Das solltet ihr auch dann tun, wenn ihr spontan auftretende Dinge filmen wollt – es gibt mit genug Überlegung immer die Möglichkeit, sich zumindest ein wenig vorzubereiten. Und Vorbereitung ist beim Filmen die halbe Miete.

Übrigens: Steht der Plan, geht ihn ruhig auch praktisch mit der Kamera und allen Bewegungen durch.

Tipp 2: Sorgt dafür, dass die Kamera ruhig bleibt

Falls ihr für diesen Artikel erwartet, dass wir euch dazu raten, Kameras für vierstellige Summen anzuschaffen, müssen wir euch enttäuschen. Ihr besitzt irgendeine zeitgenössische Kamera, die mindestens in HD aufnimmt? Dann habt ihr bereits das absolute Minimum.

Natürlich, über die Kamera lässt sich sehr viel an der Filmqualität justieren. Aber Qualität bedeutet nicht nur superhochauflösende Bilder, sie bedeutet vor allem hochwertige Kameraführung. Genau daran hapert es aber selbst vielen Besitzern von ziemlich teuren Kameras.

Ganz einfach: Die Kamera darf sich außerhalb absichtlich hektischer Actionszenen nur dann und nur haargenau so bewegen, wenn und wie ihr es diktiert. Keine Vibrationen, keine unkontrollierten Bewegungen. Dafür benötigt ihr zwei Dinge:

1. Ein Stativ. Je schwerer, desto besser (Profis hängen sogar Sandsäcke daran). Und der ganze bewegliche Mechanismus sollte butterweich, aber dennoch ein bisschen schwergängig sein. Ölt deshalb oder nehmt gleich einen hochwertigen, schwenkbaren Stativkopf.

2. Ein Gimbal. Das ist ein kardanischer, exakt austarierter Halter. Er ermöglicht euch freie Schwenks, bei denen die Kamera sich im Gimbal frei bewegen kann, aber nicht zittert und nur das macht, was ihr wollt.

Beide Techniken sorgen für maximal ruhige Szenen – selbst wenn ihr euch unterdessen bewegen müsst – und nein, wenn eure Kamera bzw. euer Handy einen Bildstabilisator hat, genügt das nicht. Der kann nur ergänzen.

Übrigens: Ist die Szene bewegt, bleibt die Kamera (eher) ruhig, ist die Szene (eher) ruhig, wird die Kamera bewegt.

Tipp 3: Zehn Sekunden und fünf Einstellungen sind das Minimum

Zugegeben, bei manchen Actionfilmen wird diese erste Regel auf der Leinwand völlig ignoriert – aber die Kameraleute werden sie trotzdem eingehalten haben: Egal welche Einstellung ihr filmt, sie sollte es auf mindestens zehn Sekunden Aufnahmedauer bringen.

Kürzere Abschnitte könnt ihr immer noch herausschneiden, werdet es wahrscheinlich sogar tun. Doch mit zehn Sekunden  habt ihr immer genügend Reserve, falls es darin doch einen nicht so perfekten Moment gibt.

Und sofern es in eurer Macht liegt, solltet ihr auch versuchen, von jeder Szene fünf Einstellungen auszunehmen. Sie ermöglichen es euch, eine Handlung aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten – sieht hinterher genial aus.

Tipp 4: Stillstand – Bewegung – Stillstand

Den Zoom zu nutzen bzw. die Kamera zu bewegen, wird immer wieder nötig sein – schon gemäß der oben genannten Regel. Allerdings solltet ihr dabei auch immer eine weitere Regel beherzigen: Eine Einstellung beginnt und endet niemals in der Bewegung.

Das heißt, ihr geht auf Aufnahme, die Kamera nimmt stillstehend für einige Sekunden auf. Erst dann beginnt ihr mit dem Zoomen bzw. der Bewegung. Ist dieser Vorgang abgeschlossen, filmt ihr weitere Sekunden stillstehend. Hier findet ihr auch einen weiteren wichtigen Grund, einen zumindest groben Plan zu haben, bevor ihr den Aufnahmeknopf drückt.

Allerdings solltet ihr nur zoomen, wenn eure Kamera das mit mechanischen Linsen kann. Bei Handys beispielsweise ist das meistens nicht gegeben, hier solltet ihr deshalb gar nicht zoomen – müsst ihr dennoch mittendrin näher ans Motiv, dann ist der Gimbal der bessere Weg.

Übrigens: Wenn der Bildinhalt sich bewegt, dann lasst ihn am Ende der Einstellung aus dem Bild hinauswandern.

Tipp 5: Immer mit richtigem Mikro

Es ist kein Geheimnis, dass selbst an sehr teuren Kameras die Mikrofone oft bestenfalls mittelmäßig sind – und an Handys sind sie für gute Filmaufnahmen auch ausnehmend schlecht.

Sorgt deshalb dafür, dass immer ein besseres Mikrofon verwendet wird. Sie gibt es für praktisch alle filmfähigen Geräte zu kaufen. Und wenn ihr Gespräche oder dergleichen aufnehmen möchtet, dann sorgt dafür, dass Hintergrundgeräusche nicht überlagern.

Notfalls schafft ihr das, indem ihr das Mikro, wie am richtigen Filmset, an einer Angel kurz außerhalb des Bildbereichs haltet – je dichter es an der Tonquelle ist, desto besser.

Übrigens 1: Wenn ihr etwas aus dem Off kommentieren möchtet, nehmt dies zuerst auf und richtet dann die Filmaufnahmen daran aus (Dauer, Schnitte usw.). Das wirkt viel harmonischer, als wenn ihr es umgekehrt macht.

Übrigens 2: Nehmt für Musik unbedingt nur GEMA-freie Stücke, sonst kann es sein, dass ein spaßiges YouTube-Projekt euch teuer zu stehen kommt.

Tipp 6: Achtet immer auf das Licht

Licht ist die Wurzel jeder Filmaufnahme, denn alles, was auf dem Kamerachip landet, ist nichts anderes als Licht unterschiedlicher Wellenlängen. Allerdings kann Licht auch ein vertrackter Geselle sein, der eure Aufnahmen zu hell oder zu dunkel macht oder von dort reflektiert, wo er es eigentlich nicht sollte. Wichtig ist dabei vor allem Folgendes:

1. Macht vor jeder Einstellung einen kurzen Testlauf, um zu schauen, ob das Licht wirklich passt. Achtet auch auf Schatten.
2. Wenn das Licht nicht direkt von hinter der Kamera kommen kann, solltet ihr auch draußen ggf. mit einem Reflektor nachhelfen – nehmt dazu einfach ein 1×1 Meter großes Stück Karton, das ihr auf einer Seite weiß und der anderen goldfarbig lackiert. Vielleicht noch ein zweites Element in Silber.
3. Wenn ihr in Innenräumen nachbelichten müsst, wählt unbedingt Leuchtmittel mit mindestens 5500 Kelvin, alles darunter gibt der Szene einen Farbstich.
4. Scheut euch nicht, euren menschlichen Akteuren unmittelbar vor Drehbeginn der Einstellung das Gesicht abzutupfen. Glänzende Nasenrücken, Wangenknochen und Stirnen wirken unprofessionell.

Tipp 7: Go big or go home

Wollt ihr einen Kapitalfehler kennen, der sofort den Amateur aufdeckt? Es ist die Neigung, zu dicht mit der Kamera am Motiv zu sein und es regelrecht Stück für Stück abzuschwenken – etwa, wenn es darum geht, Sehenswürdigkeiten aufzunehmen.

Sowas machen wirklich nur Amateure. Profis gehen so vor:

– Wenn ihr etwas in Gänze zeigen wollt, dann komponiert auch den Bildaufbau so, dass er es in Großaufnahme einfängt.
– Wollt ihr Details zeigen, zoomt nicht einfach heran. Macht lieber eine neue Einstellung, in der ihr die Details aus der Nähe aufnehmt.

Am Ende wird dann alles zusammengeschnitten – und lässt selbst ein simples Urlaubsvideo einen Hauch von Hollywood verströmen.

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