Elektronische Musikinstrumente: Von Drumcomputer bis Druckerorchester

Wer sich mit Musikinstrumenten nicht sonderlich gut auskennt oder sich nie damit beschäftigt hat, der denkt bei „elektronischen Musikinstrumenten“ vielleicht an E-Gitarren, E-Pianos und E-Drums. Doch nichts davon ist rein elektronisch. Genannte Instrumente zählen in der Regel strenggenommen zu den elektromechanischen Musikinstrumenten. Elektronisch hingegen sind beispielsweise Keyboards oder auch Drumcomputer und Synthesizer. Abseits davon gibt es auch einige wirklich ungewöhnliche elektronische Musikinstrumente, die im Grunde kaum jemand kennt. Grund genug, sich Beispiele für diverse herkömmliche und ungewöhnlichere Instrumente einmal genauer anzuschauen.

Elektronische Musikinstrumente: Von Drumcomputer bis Druckerorchester

Drumcomputer und Drum Pads – Heute gerne noch gerade im Bereich von Hip-Hop-Produktionen und im Techno im Einsatz. stock.adobe.com © Mihail (DATEI-NR.: 215731999)

Beispiele herkömmlicher elektronischer Musikinstrumente

Das Keyboard

Verwandt mit dem Klavier ist das Keyboard als rein elektronisches Musikinstrument. Es wird unter der Kategorie „elektrophone Tasteninstrumente“ eingeordnet, in der auch etwa die elektronische Orgel fällt. Was den Anschlag und das Spielgefühl eines Keyboards angeht, ist dieses mit einer Orgel auch am besten zu vergleichen. Es ähnelt der Orgel-Klaviatur nämlich noch einmal mehr als der Klavier-Klaviatur.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten von Keyboards, die sich je nach Einsatzgebiet und Anspruch unterscheiden. So sind beispielsweise Einsteiger- und Kinderkeyboards erhältlich, die meist nur verschiedene Klangvariationen, eine Lautstärkenregelung und einen Kopfhöreranschluss bieten. Homekeyboards hingegen warten schon mit einem deutlich größeren Funktionsumfang auf. Meist können sie via Kabel (MIDI, USB, Klinke), SD-Karten, USB-Sticks oder externen Festplatten direkt mit dem Computer verbunden werden. Entertainerkeyboards schließlich verfügen oft über eingebaute Festplatten, auf denen sich zum Beispiel Midi-Files, Registrationen, Sounds, Styles oder MP3s abspeichern lassen. Sie bieten die umfangreichste Ausstattung.

Allen Keyboards gemein ist, dass sie sich recht einfach transportieren lassen und dass sie recht kompakt gehalten sind. Die Klangerzeugung folgt ebenfalls immer dem gleichen Grundprinzip: Drückt man eine Taste, wird in einem elektronischen System ein Ton mit der ihm traditionell zugeordneten Tonhöhe erzeugt. Eine sogenannte ADSR-Hüllkurve beeinflusst nach der Tastendruckdauer den erzeugten Ton. Diverse Effekt, die in einem Keyboard integriert sein können, bieten meist die Möglichkeit, den Ton noch einmal zu beeinflussen.

Der Drumcomputer

Mit einem Drumcomputer lassen sich perkussive Töne erzeugen, also solche, die in den Bereich der Schlag- und Effektinstrumente gehören. Außerdem können an Drumcomputern musikalische Rhythmen programmiert werden.

Drumcomputer waren einst simple Automaten, mit denen sich schnell programmierte Rhythmen etwa für den Einsatz bei Mambo- oder Tangoveranstaltungen herstellen ließen. Ende der 70er Jahre dann kamen die ersten analogen Drumcomputer auf den Markt. Heute dürften man sie aus den Bereichen der elektronischen Tanzmusik (des Technos) und vor allem aus dem Hip-Hop kennen. Unter Produzent:innen und Fans gelten sie teilweise als begehrte Sammlerstücke. Noch heute verwenden vor allem viele Hip-Hop-Produzenten aufgrund des eigenen Klangs gerne analoge Drumcomputer.

Die Klangerzeugung der meisten modernen Drumcomputer erfolgt durch die Wiedergabe von Samples. Die einzelnen Töne werden von den Instrumenten dabei in der Regel durch Stepsequenzer mit Druckknöpfen ausgelöst. Auch Lauflichtprogrammierung und speicherbare Patterns sind gängig. Alternativ kommen auch Drumpads eines elektronischen Schlagzeugs oder Touchpads zum Einsatz.

Mit einem Drumcomputer generiert man meistens klassische Schlagzeugtöne und Perkussionsounds. Diese sind in der Regel auch schon vorprogrammiert. Darunter fallen:

-Bassdrum,
-Snare,
-Hi-Hat,
-Cymbals,
-Tom,
-Handclap,
-Rimshot,
-Tambourin,
-Bongos
-oder auch Rasseln.

Die Lautstärke, die Tondauer und die Tonhöhe sowie andere wichtige Klangparameterlassen sich am Drumcomputer oft einstellen. Der Unterschied zu einem dezidierten Sampler besteht darin, dass mit zweiterem eigene Sounds aufgenommen und verändert werden können. Für Multi-Instrumenten-Loops mit eigenen Sounds sind Sampler im MPC-Stil das Richtige. Wer einfach nur Beats bauen möchte, ist mit einem Drumcomputer und leistungsfähiger Software auf Samplebasis richtig beraten.

Modulare Synthesizer

Modulare Synthesizer bieten Spielraum für unzählige Klangvariationen durch verschiedene Steckmöglichkeiten, Schieberegler und Schalter. stock.adobe.com © あんみつ姫 (DATEI-NR.: 200049321)

Modulare Synthesizer bieten Spielraum für unzählige Klangvariationen durch verschiedene Steckmöglichkeiten, Schieberegler und Schalter. stock.adobe.com © あんみつ姫 (DATEI-NR.: 200049321)

Modulare Synthesizer bestehen aus einer Vielzahl unterschiedlichster Komponenten – die sogenannten Module, die dem Instrument seinen Namen geben. Manche dieser Module dienen der Erzeugung von Klängen, andere der Veränderung und dritte wiederum der Steuerung von Klängen. Alle Module funktionieren also an einem modularen Synthesizer immer in Abhängigkeit voneinander. Je nachdem, wie ein modularer Synthesizer zusammengestellt und eingestellt wird, können diverse elektronische Klänge erzeugt werden.

Die einzelnen Module des Synthesizers lassen sich über Patchkabel, Schalter, Schieberegler und Steckfelder miteinander verbinden. So können innerhalb der verwendeten Module mit Aus- und Eingängen eine Vielzahl von Verbindungsmöglichkeiten die unterschiedlichsten Verbindungen hergestellt werden. Die Steuerung von Parametern analoger Synthesizermodule funktioniert per Steuerspannung. Das endgültige Signal schließlich wird in der Regel über einen Lautsprecher ausgegeben oder an ein Aufnahmegerät weitergegeben.

Elektronische Musikinstrumente, die kaum jemand kennt

Die ersten Synthesizer entstanden bereits in den 1960er Jahren – auch, wenn deren alltäglicher Gebrauch gerade in der Technoszene erst Jahrzehnte später beginnen sollte. Doch wo Synthesizer & Co. und vor allem auch Keyboards heute eben zur Normalität in der Musikproduktion gehören, gibt es immer noch einige elektronische Musikinstrumente, die selbst die meisten Musiker*innen nicht kennen. Drei von ihnen wollen wir einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Das Brother Printer Orchestra

Der Druckerhersteller Brother Industries Ltd. mit Sitz in Japan beschloss 2012, für die Präsentation der neusten hauseigenen Druckertechnologie, eine ganz besondere Form von Werbung zu machen. Für den entsprechenden Werbespot wurde kurzum ein eigenes elektronisches Musikinstrument entworfen.

Das Brother Printer Orchestra wurde aus ausrangierten Relikten aus der alten Welt des Druckens zusammengestellt. Drucker, Scanner, Kopierer, Faxgeräte, Modems und Festplatten bildeten dafür eine Symphonie aus „Schrott“. Insgesamt 97 Altgeräte wurden für das Projekt umprogrammiert und neu verkabelt, reaktiviert, umgebaut, vernetzt und mit einer MIDI-Schnittstelle versehen. Dementsprechend modifiziert spielten die alten Geräte in ihrem neuen Orchester auf ihren Druckköpfen, Festplatten und Papierfachdeckeln Bob Dylans „The Times They Are A-Changin“. Gleichzeitig wurde tatsächlich auch gedruckt. So gab nämlich ein alter Punkt-Matrix-Printer den Text des Dylan-Songs aus.

Das Motto lautete: Die alte Welt des Druckens ist zu Ende und diese Komposition soll ihr Abgesang sein. Der Regisseur Chris Cairns leitete die Dreharbeiten zu dem Werbefilm, die rund einen Monat andauerten. Auf der Website Marek Berezas, einem der Techniker, denen die mühsame Aufgabe zufiel, die ausrangierten Druckerrelikte durch einen rigorosen Prozess des Lötens, Neuprogrammierens, Hackens und Neuverkabelns zum musizieren zu bringen, lässt sich das Video heute noch bestaunen.

Der MechBass

James McVay, ehemaliger Student an der School of Engineering and Computer Science der Victoria University of Wellington in Neuseeland, entwickelte in knapp 1000 Stunden Arbeit den MechBass. Dabei handelt es sich um einen „Bass-Roboter“. McVays Musikinstrument besteht im Wesentlichen aus vier Aluminium-Schienen, an denen sich Servomotoren entlangbewegen. Diese wiederum haben die Aufgabe, die vier an den Schienen aufgespannten Saiten entsprechend der gewünschten Tonhöhe zu verkürzen und/ oder abzudämpfen.

Ein weiterer Motor dient dazu, mit Hilfe eines Rads, an welchem Plektren montiert sind, die Saiten zum Anschlag zu bringen. Die Steuerung des Instruments übernimmt ein Mikrocontroller ATMega328. Die Einzelteile wiederum hat sich McVay zu großen Teilen aus einem 3D-Drucker zusammengesucht. Was den Bass-Roboter von einem „echten“ Bassisten unterscheidet, dürfte klar sein. Der Roboter kann einfach viel schneller spielen. Bis zu 60 Saitenanschläge pro Sekunde schafft die Maschine.

Wie sich der MechBass anhört, lässt sich auf YouTube erfahren. Hier kann das Instrument dabei bestaunt werden, wie es den Song „Hysteria“ der Band Muse performt. Am besten mit den richtigen Ohrhörern genießen!

Modulare Synthesizer bieten Spielraum für unzählige Klangvariationen durch verschiedene Steckmöglichkeiten, Schieberegler und Schalter. stock.adobe.com © あんみつ姫 (DATEI-NR.: 200049321)

Modulare Synthesizer bieten Spielraum für unzählige Klangvariationen durch verschiedene Steckmöglichkeiten, Schieberegler und Schalter. stock.adobe.com © あんみつ姫 (DATEI-NR.: 200049321)

Die Electric Flute

Letztlich bedarf es dafür lediglich einer Plastik-Blockflöte – ganz egal, ob hochwertig oder billig, die mit ein wenig Elektronik ausgestattet wird. Vier kleine Taster und ein Piezo-Transducer, der

die Bassstärke erfasst, bilden die Grundlage. Ein Mikrocontroller und einige Zeilen Code vollenden das Instrument und machen aus der Blockflöte einen Blascontroller für elektronische Klänge. Mit höchsten fünfzig Euro Kostenaufwand lässt sich die Electric Flute selbst herstellen. Einen Versuch ist es allemal Wert, finden wir!Wer nun auch Lust bekommen hat, sich ein ungewöhnliches elektronisches Musikinstrument einmal selbst zu bauen, hat gute Chancen. Denn die „Electric Flute“ ist eine nette Spielerei, für die es keinen Master in Ingenieurwesen und keine technische Ausbildung benötigt. Auf instructables.com kann stattdessen, auch für Laien verständlich erklärt, Schritt für Schritt nachgelesen werden, wie das Ganze funktioniert.

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