Play-to-Earn (P2E) Review: Wer oder Was steckt wirklich dahinter?

von Thomas Wingenfeld am , 16:15 Uhr

Die Tatsache, dass sich vom Videospielen viel Geld verdienen lässt, ist allgemein bekannt. Bisher war es allerdings so, dass alle Gegenstände, die ein Spieler im Spiel bzw. für das Spiel erworben hat, nicht ihm, sondern dem Hersteller des jeweiligen Spiels gehört hat.

P2E-Spiele ermöglichen es den Spielern in vielen Ländern, ihren Lebensunterhalt mit Videospielen zu verdienen.

In den meisten bisher bekannten Games war zudem beim Verdienst nicht der Spieler, sondern der Spielehersteller der große Gewinner. Das auf Kryptowährungen und einer Blockchain basierende Play-to-Earn-Konzept (P2E) geht andere Wege. Was genau steckt hinter P2E?

Neue Begriffe beim Gaming: Play-to-Earn & Non-Fungible-Token

Die eigentliche Besonderheit beim P2E-Konzept besteht einmal darin, dass der Spieler sich im Bereich der Kryptowährungen bewegt und alles, was er für das Spiel benötigt, also Spielcharaktere oder Spielgegenstände in Form sogenannter Non-Fungible-Token (auch als NFTs bezeichnet) erschaffen kann. Diese NFTs werden als Dateneinheit auf einer Blockchain gespeichert, und zwar als digitale Inhalte, mit denen der Eigentümer benannt werden kann. Dadurch sind die NFTs einzigartig, nicht duplizierbar und deshalb das geistige Eigentum dessen, der sie erschaffen hat.

Mit den NFTs lässt sich handeln, wodurch sich sogenannte Sekundärmärkte bilden, deren Angebot und Nachfrage den Preis pro NFT beeinflussen. NFT können virtuelle oder physische Assets repräsentieren. Als Konsequenz können bei einem Play-to-Earn-Game die Spieler zu Eigentümern dieser auch als „In-Game-Assets“ bezeichneten NFTs werden. Dabei verfügt das Konzept über fast unbegrenztes Potenzial hinsichtlich des Spieleumfangs. Treibt man es auf die Spitze, lassen sich ganze virtuelle Welten erschaffen, in denen die Spieler den ganzen Tag damit verbringen können, Häuser und Straßen zu errichten, Landwirtschaft zu betreiben, Produkte herzustellen oder Land oder Inseln zu kaufen.

Bei Play-to-Earn handelt es sich nicht um Free-to Play-Games, denn man muss Geld investieren, um später etwas verdienen zu können. Beim Spiel Axie, eines der wenigen Games mit einer „Startgebühr“ in Form von drei zu kaufenden Axies (Spielcharaktere). Bei den momentanen Preisen für die dem Spiel zugrundliegende Kryptowährung Ethereum kann dies eine notwendige Start-Investition von 1.000 US-Dollar bedeuten.

Krypto-Spiel-Modelle auf DAO-Basis

Der Gaming-Markt bietet bereits jetzt Krypto-Siele an, die auf einem DAO basieren, was für Dezentrale Autonome Organisation steht. Dies bedeutet, dass die Spiele dezentral und automatisiert funktionieren. Grundlage ist hier ein Open Source Code, bei dem es keine zentrale „Regierung“ oder „Führung“ gibt. Die Spieler sind also nicht nur Eigentümer aller Spielgegenstände oder Charaktere, sondern haben die Möglichkeit, über sämtliche Facetten des Spiels und sogar über seine Zukunft zu entscheiden.

Wo sich Play-to-Earn-Krypto-Spiele finden

Der Erfolg dieser neuartigen Spiele begann mit „Axie Infinity“, einem auf Ethereum basierenden Spiel. Inzwischen gibt es zahlreiche weitere Projekte im Bereich der Krypto-Spiele. Zu finden sein werden sie nach ihrer Fertigstellung auf den großen Blockchain-Plattformen. Bekannte NFT-Games sind beispielsweise auch „The Sandbox“, „Splinterlands“ oder „CryptoKitties“. Aber auch Sport-Games wie „Sorare“ oder „F1 Delta Times“ gehören zur Gattung der beliebtesten Krypto-Spiele.

Play-to-Earn-Games stehen noch am Beginn ihrer Popularität

Vor allem im ersten Jahr der Corona-Pandemie mit den zahlreichen Freiheitsbeschränkungen haben Games stark an Beliebtheit gewonnen. So ist auch Axies Infinity, ein in Vietnam entstandenes Play-to-Earn-Spiel zu einem Erfolg geworden.

Solche Blockchain-Spiele sind auch deshalb eine mögliche Zukunft im Bereich der Video-Games, weil sie sich an das Metaverse/Web3-Ökosystem anbinden lassen, wodurch sie die Basis von Blockchain-basierten P2E-Spielen bilden und neue Web3-bzw. Metaverse-zentrierte Krypto-Trends ermöglichen. Grundlage hierfür ist das Alleinstellungsmerkmal der Dezentralisierung.

So bildet das Web3, weil es Blockchain-basiert ist und eine auf Token beruhende Wirtschaft nutzt, eine völlig neue Version des bisher bekannten World Wide Web-Ökosystems. Neben dem Web3 spielt auch das Konzept des Metaversums eine wichtige Rolle. In diesem gibt es einen finanziellen Rahmen, der verschiedene Krypto-Vermögenswerte verwendet.

Wie viel Potenzial in solchen Blockchain-Games steckt, zeigt die Tatsache, dass alleine im Jahr 2021 im sehr jungen NFT-Sektor über 40 Milliarden US-Dollar umgesetzt wurden. Aus diesem Grund ist zu erwarten, dass eine zunehmende Zahl von P2E-Games die neu entstandene Anlageklasse verwenden.

Tatsächlich steigt die Zahl der Gamer, die im Bereich der P2E-Gamer unterwegs sind, ihr Einkommen durch diese Spiele ergänzen. Andere haben sich dazu entschlossen, sämtliche Einnahmen mit Hilfe der Games zu generieren und sind damit durchaus erfolgreich. Dennoch bleibt abzuwarten, ob sich der Play-to-Earn-Trend fortsetzt oder ob den Spielern der zunächst notwendige Einsatz von finanziellen Mitteln doch zu riskant ist. Auf jeden Fall handelt es sich beim P2E-Konzept um eine spannende, technische Entwicklung, die ganz neue Möglichkeiten bietet, Einkommen im wahrsten Sinne zu erspielen.

 

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