Heimvernetzung über die Stromleitung: Facebook auf dem Fernsehgerät

Nicht mehr nur Computer und Notebooks schreien nach einer Verbindung ins Internet – auch AV-Receiver, Fernsehgeräte, Spielekonsolen oder Blu-ray-Player wollen online gehen. Häufig ist die Vernetzung per Kabel im Wohnzimmer nicht möglich und der WLAN-Empfang hinter der Heimkinoausstattung schlecht – dann kommt Powerline ins Spiel, die Datenübertragung über die Stromleitung. Wir erklären die Technik und vergleichen zwei Geräte von Netgear und Devolo.

Internetfähige Fernsehgeräte sind der Top-Trend in der Unterhaltungselektronik, sagte Ralph Haupter, Chef von Microsoft Deutschland, am 17. Juli 2011. Der Umsatz mit den so genannten Hybrid-TV-Geräten, auch Connected TV oder Smart TV genannt, steige in diesem Jahr um rund 44 Prozent auf fast 3,5 Milliarden Euro, gab der Hightech-Branchen-Verband BITKOM bekannt. Gut die Hälfte der Besitzer schließt ihre intelligenten Fernseher auch schon an das IP-Netzwerk an, schätzt BITKOM.

Möglichkeiten der Vernetzung

Aber wie? Das klassische Ethernet-Kabel garantiert die sicherste, zuverlässigste und Durchsatz-stärkste Heim-Vernetzung. Switches bis 100 MBit/s gibt es ab 10 Euro. Gigabit-LAN-Equipment bis 1000 MBit/s ist ebenfalls erschwinglich. Damit kann man 600 bis 900 MBit/s an Nutzdaten übertragen – ausreichend für dutzende Full-HD-Videostreams zur gleichen Zeit. Nur leider kostet das Verlegen der Ethernet-Kabel viel Zeit und Mühe. Wenn der Hausmann zwei linke Hände hat, muss ein Handwerker kommen, um Löcher durch Decken und Wände zu bohren oder Kabel-Kanäle in Boden und Wände zu fräsen. Da kommen schnell drei- bis vierstellige Eurobeträge für Arbeitslöhne zusammen. Das reine Material ist im Vergleich dazu kaum der Rede wert. Nur wenige Häuser wurden schon im Bau mit genügend Leerkanälen für die Heimvernetzung ausgestattet. Und die Alternative, das „frei verlegte“ Kabel unter Türstöcken und Teppichen, kommt bei vielen Familien aus ästhetischen Gründen nicht infrage.

Das drahtlose Netzwerk alias Wireless LAN nutzt die Luft als Trägermedium. WLAN eignet sich besonders für die Vernetzung mobiler Geräte wie Smartphones, Tablets und Notebooks. Fast alle diese Geräte haben WLAN ab Werk eingebaut. Auch stationäre Fernsehgeräte, PCs, Gaming-Konsolen, Blu-ray-Player und lokale Speichersysteme haben den Funk häufig an Bord oder sind mit einem USB-Stick leicht nachrüstbar. Die Übertragungsgeschwindigkeit über die Luft ist allerdings signifikant langsamer. Wenn auf der Schachtel des WLAN-Routers beispielsweise 300 MBit/s steht, dann rasen die Nutzerdaten im echten Leben mit gerade mal einem Drittel oder der Hälfte der angegebenen Geschwindigkeit durch den Äther. Und das auch nur, wenn WLAN-Endgeräte samt WLAN-Router im gleichen Raum funken. Hinter der ersten Stahlbetonwand – oder dem Fernseher – kommt noch weniger an.

Die dritte Alternative hört auf den Namen PowerLine Communications, kurz PLC. Sie nutzt die normalen 230-Volt-Stromleitungen von Wohnung oder Haus zur Übertragung von Daten. Im einfachsten Falle läuft ein Netzwerkkabel bis zu einem Ethernet-to-Powerline-Adapter, der in der Steckdose steckt. Dieser Adapter treibt nun Daten, Musik, Fotos und Filme über die Stromleitung an alle anderen Steckdosen der Wohnung. Dort kann ein zweiter Adapter den Datenstrom wieder abgreifen und dem Zielgerät wieder mit einem ganz normalen LAN-Kabel zuführen.

Heimvernetzung mit Powerline: Das Internet läuft über die Stromleitung vom Router zum Fernseher. Grafik: Devolo.
Heimvernetzung mit Powerline: Das Internet läuft über die Stromleitung vom Router zum Fernseher. Grafik: Devolo.

Powerline: Internet aus der Steckdose

Alternativ gibt es auch PLC-Adapter mit eingebautem WLAN-Hotspot. Sie binden mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets, aber auch stationäre Computer oder Fernseher, auf den letzten Metern kabellos in die Vernetzung ein.

Ältere Powerline-Produkte mit Geschwindigkeiten von 14 und 85 MBit/s waren schon 2010 bei vielen Herstellern im Abverkauf. Da sie üblicherweise nicht mit neueren und schnelleren Geräten kompatibel sind, sollte man bei einer Neuanschaffung lieber einen Bogen darum machen.

Powerline-Adapter mit einer nominellen Geschwindigkeit von 200 MBit/s (brutto) erreichen in der Realität Werte zwischen 60 bis 90 MBit/s (netto) auf sehr kurze Distanz. Ist die Stromleitung 20 Meter lang, dann sind 20 MBit/s noch ein realistischer Wert für den Nettodurchsatz. Das ist üblicherweise ausreichend für einen Video-Stream in Full-HD-Auflösung und guter Qualität. Wer mit zwei PLC-Adaptern beispielsweise nur seinen DSL-6000-Anschluss vom Keller bis zum Fernseher im Wohnzimmer oder zum PC im Arbeitszimmer transportieren will, kommt mit 200-MBit-Adaptern aus. Schnellere VDSL-Verbindungen mit 25 oder 50 MBit/s würden von diesen Adaptern aber schon ausgebremst werden.

Belkin hat schon Ende 2009 mit seinem ersten Gigabit-Powerline-Adapter die offiziellen Geschwindigkeiten der aktuellen WLAN-Verbindungen nach dem n-Standard übertrumpft. Auf sehr kurze Distanz haben wir in der Praxis tatsächlich beeindruckende 118 bis 272 MBit/s gemessen, aber schon bei 20 Meter langen Stromleitungen lag der Wert mit 25 bis 35 MBit/s bereits unter den schnellsten 200-MBit-Adaptern von Devolo und MSI. Außerdem wird das Belkin-Gerät im Betrieb so heiß, dass sich eine zufällige Berührung unangenehm anfühlt.

Anfang 2011 ist mit dem Netgear Powerline AV 500 Adapter Kit XAVB5001 nun das erste PLC-Pärchen der neuen Generation mit 500 MBit/s auf dem deutschen Markt erschienen. Inzwischen ist der große Bruder mit integrierter Steckdose an der Vorderseite als Netgear Powerline AV+ 500 Adapter-Set XAVB5501 erschienen. Ein sehr ähnlicher PLC-Adapter – ebenfalls mit Zusatz-Steckdose – kommt von Devolo als dLAN 500 AVplus Starter Kit. Messdaten folgen weiter unten.

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