Der erste Test: Apple Macbook Air – sexy, schlank und edel

von Dan Ackerman und Daniel Schraeder am , 00:00 Uhr

Pro
  • tolles Design
  • extrem dünn
  • sehr leicht
  • Multi-Touch-Touchpad
  • Zugriff auf optische Laufwerke über Netzwerk
Con
  • kein optisches Laufwerk
  • extrem wenige Anschlüsse und Erweiterungsmöglichkeiten
  • Akku nicht austauschbar
  • SSD-Festplatte ist sehr teuer
  • kleine Standard-Festplatte (80 GByte)
  • Ethernetanschluss nur optional über USB-Adapter
Hersteller: Apple Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Das Design ist revolutionär: So ein attraktives und schlankes Notebook gab es bislang nicht. Allerdings zielt das Macbook Air auf eine kleinere und spezialisiertere Zielgruppe als die Standard-Macbooks. Aufgrund seiner teilweise spartanischen Ausstattung ist es zwar ein toller Begleiter, kann aber keinen PC oder kein voll ausgestattetes Notebook ersetzen.

Das wohl dünnste Notebook der Welt hat Apple auf der Macworld Expo in San Francisco der Öffentlichkeit vorgestellt. CNET hat inzwischen ein Testexemplar im Labor. Ob die Technik hält, was die Optik verspricht, verrät der ausführliche Testbericht.

Die Vorstellung eines neuen Macbooks wurde schon lange vorab prophezeit – mal hieß es, es komme ein ultrakompaktes Gerät, an anderer Stelle war auch von einem Apple [1]-Tablet zu lesen. Ganz so klein ist das Macbook Air dann doch nicht, und es hat auch keinen berührungsempfindlichen Bildschirm. Dennoch sorgt es weltweit für Furore: Mit einer Bauhöhe von 4 bis 19 Millimetern nennt das Gerät zumindest Apple „flachstes Notebook [2] der Welt“.

Zwar ist es mit diesen Abmessungen nicht das erste flache Notebook überhaupt: Auch Geräte wie Fujitsu-Siemens‘ Lifebook Q2010 oder Toshibas Portege R500 spielen in der Liga um die 20 Millimeter. Aber die 4 Millimeter, die das Air an seinen dünnsten Stellen zu bieten hat, gab es noch nie.

Ab sofort steht das Gerät im Apple-Store [3] zur Verfügung. Nach zwei bis drei Wochen soll der Käufer das Gerät dann in seinen Händen halten – das verrät zumindest die Lieferanzeige auf der Seite.

Wie erwartet sind Technik und Design des neuen Notebooks einfach hervorragend. Allerdings zielt das Macbook Air auf eine spezialisiertere Zielgruppe als die etwas dickeren Brüder und ist in der Praxis nicht ganz so nützlich. Der größte Kompromiss, den Käufer eingehen, ist die Konnektivität: Dass man auf ein optisches Laufwerk verzichten muss und nur auf Wunsch und gegen Aufpreis einen externen DVD-Brenner bekommt, ist ja noch zu verzeihen. Aber dass die Netzwerkschnittstelle fehlt, ist einfach schwach. Noch dazu ist das Air der erste Apple-Rechner seit Jahren ohne Firewire-Schnittstelle. Auch auf Slots für Speicherkarten, UMTS- oder HSDPA-Anbindung und einen Express-Card-Slot müssen die Käufer verzichten.

Dafür gibt es allerdings auch ein paar wirklich überraschende neue Features. So kann das neue Macbook kabellos per WLAN auf DVD-Laufwerke in Computern in der Umgebung zugreifen. Steht ein anderer Rechner zur Verfügung, ist es also durchaus zu verzeihen, das ein internes optisches Laufwerk fehlt. Und einen Meilenstein setzt das neue Touchpad mit Gestensteuerung.

Wer sollte sich ein Macbook Air kaufen?

Ob man nun das günstigere 13-Zoll-Macbook kauft, das ähnlich teure Macbook Pro oder das neue, stylische Macbook Air, hängt von den Anforderungen ab, die man an einen mobilen Rechner stellt. Wer häufig auf Reisen ist und nur minimales Gewicht schleppen möchte, wer einen großen Teil seines Lebens in der Nähe von WLAN-Netzen und Hotspots verbringt, viel im Internet surft und nur selten mit zusätzlicher Hardware zu tun hat, dürfte den Preis des Macbook Air gerne zahlen. Schließlich erhält man das wohl derzeit begehrenswerteste Stück Hardware der Welt – mit Haben-will-Effekt und Garantie für neidische Blicke.

Wer unsicher auf die technischen Daten schielt, hat zwar auf den ersten Blick recht: Selbst das billigere Macbook macht mehr Dampf, das Macbook Pro hat sogar ein Vielfaches unter der Haube. Allerdings lohnt sich ein Blick auf die Ausstattungstabellen anderer ultraportabler Notebooks: So kosten sowohl das Sony [4] Vaio TZ150 als auch das Toshiba Portege R500 deutlich mehr als das Macbook Air – obwohl die Prozessoren langsamer sind und die RAM-Ausstattung dünner ist.

Highlights

Das erste, was beim Macbook Air auffällt, ist das aus Aluminium gefertigte Gehäuse – vergleichbar mit dem des Macbook Pro und deutlich unempfindlicher gegenüber Fingerabdrücken als das des Macbooks. Hebt man es an, wartet eine kleine Überraschung: Das Air fühlt sich schwerer an, als es aussieht – obwohl es nur 1,36 Kilo wiegt. Gleichzeitig wirkt es erstaunlich stabil und solide – es lässt sich bedenkenlos den ganzen Tag herumtragen.

Wie erwartet kommt das Gerät mit integrierter Isight-Kamera. Leuchtdioden erhellen das LC-Display und sind von einem Helligkeitssensor gesteuert. Die Tastatur ist ebenfalls hinterleuchtet – und auch ihre Helligkeit wird durch den Sensor gesteuert. Gut für Viel- und Schnelltipper: Das Tastenfeld hat Standardgröße und entspricht dem anderer Macbooks.

Das neue Touchpad misst beeindruckende 12 Zentimeter in der Diagonalen und kann mit mehrern Fingern gleichzeitig umgehen (Multitouch). So ist es möglich, wie beim Iphone mit Daumen und Zeigefinger in Fotos hineinzuzoomen oder sie zu drehen. Wer gleich drei Finger aufsetzt und sie nach links oder nach rechts streicht, wechselt im Browser vor und zurück. Das funktioniert so gut, dass die Tester sich diese Bedienung ganz schnell angewöhnt haben – und seit dem Test des Airs bei allen anderen Notebooks erfolglos ausprobieren. Auf Nachfrage teilt Apple mit, dass es kein Software- oder Firmwareupgrade für ältere Macbooks geben wird. Die Hardware rund um das Touchpad habe sich verändert.

Eine weitere bemerkenswerte Neuerung ist Remote Disc. Über das WLAN ist der Zugriff auf optische Laufwerke anderer Computer im gleichen Netzwerk möglich – egal, ob es sich dabei um einen PC oder um einen Mac handelt. Dafür legt man die mitgelieferte OS-X-CD in das Laufwerk eines anderen Rechners ein und führt ein kleines Setup-Programm aus. Schon erscheint in der Systemsteuerung des Rechners die Option CD- and DVD-Sharing. Ist die Freigabe eingerichtet – die Dokumentation könnte besser sein -, funktioniert sie auf Anhieb und absolut problemlos. Zwar klappt das Streamen von Filmen auf DVD oder das Anhören von Audio-CDs über die kabellose Verbindung nicht. Aber das Kopieren von Dateien oder das Installieren von Programmen ist kein Problem. Alternativ lässt sich auch ein externes DVD-Laufwerk (oder ein Brenner) per USB mit dem Macbook Air verbinden.

Ausstattung

Das Display ereicht eine Auflösung von 1280 mal 800 Pixeln, sie entspricht also der der bekannten 13-Zoll-Macbooks. Beim Air kommt allerdings eine LED-Hinterleuchtung zum Einsatz – sie sorgt für ein helleres und kontrastreicheres Bild.

Im Inneren arbeitet eine Intel-Core-2-Duo-CPU mit 1,6 oder 1,8 GHz, je nach Ausführung. Zwei Modelle stehen zur Verfügung. Die günstigere Variante für 1700 Euro kommt mit 80-GByte-Festplatte, die Edel-Version legt sämtliche Daten in den Flash-Speicherchips der integrierte 64-GByte-Solid-State-Platte ab. Den Luxus müssen Käufer allerdings mit einem saftigen Aufpreis bezahlen: Fast 2900 Euro verlangt der Hersteller im hauseigenen Webshop für das Luxus-Macbook.

Die übrige Ausstattung ist bei beiden Modellen identisch. 2 GByte RAM sorgen für genug Power beim Arbeiten, WLAN nach dem neuen 802.11n-Standard ist integriert, und auch auf Bluetooth müssen Käufer nicht verzichten. Mit dieser Hardware ist das Gerät sicherlich weder eine Videoschnittmaschine noch der perfekte 3D-Rechner für Extremzocker, aber absolut ausreichend bestückt, wenn Internetseiten abgerufen und Videos abgespielt werden sollen oder etwas Büroarbeit ansteht. Auch beim Bearbeiten von Fotos geht dem Air nicht gleich die Puste aus.

Schwächen

Das Macbook Air kommt höchstens dann nicht in Frage, wenn man mehr Anschlüsse benötigt als vorhanden. Wer etwa mehr als ein USB-Gerät benutzt – neben einer Digicam oder einem Speicherstick etwa noch eine Maus -, wer über eine DV-Kamera mit Firewire-Schnittstelle verfügt, eine UMTS-Karte für mobiles Internet, oder wer eine Spiegelreflex-Kamera mit SD-Karten verwendet, ist mit dem Umstecken der Verbindung an dem einen USB-Anschluss viel zu tun. Zwar sind die Modem-Ports oder S-Video-Ausgänge vieler Notebooks wirklich unnütz, doch das Weglassen von Netzwerkschnittstelle, D-Sub (VGA) und DVI ist ein großer Schritt. Immerhin liegen Adapter für die Grafikausgabe bei.

Wer per WLAN im Internet surft, seine Maus mit Bluetooth anspricht und einen USB-Port lediglich benötigt, um sein Iphone zu synchronisieren, hat damit kein Problem. Zumal es für den Notfall auch noch USB-Hubs gibt – aber die sind eben nicht so sexy. Zu erwähnen ist, dass der Platz rund um die USB-Schnittstelle des Air extrem begrenzt ist. Keine Chance für dickere USB-Sticks oder gar UMTS- oder DVB-T-Sticks: Sie passen nicht, müssen mit einem kurzen Adapterkabel verbunden werden. Auch das passt nicht so recht ins Bild des minimalistisch-eleganten Macbook Air.

Einen großen Rückschritt macht Apple allerdings beim Akku: Er ist fest verbaut und nicht austauschbar. Im Test hält die Stromversorgung bei gemischter Auslastung etwa vier Stunden. In dieser Zeit führt eine Benchmark-Software Installationen aus, surft im Internet, öffnet und schließt Dokumente und gibt Videodateien wieder. Unter dieser Belastung erreicht das Testexemplar die vom Hersteller genannten fünf Stunden Dauerbetrieb zwar nicht – schafft aber dennoch ein gutes Ergebnis.

Fazit

Der Hype vor der Vorstellung war immens. Ob der Hersteller seine Kunden mit dem flachsten Notebook der Welt auch zufriedenstellen kann, muss er noch beweisen. Auf jeden Fall ist das Macbook Air die passende Ergänzung der Notebook-Produktlinie von Apple: Es wirkt sexy, flach, innovativ und weckt verborgene Wünsche. Dass es nicht für jeden Anwendungsfall passt, muss man wohl kaum mehr betonen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/39160958/der-erste-test-apple-macbook-air-sexy-schlank-und-edel/

URLs in this post:

[1] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[2] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[3] Apple-Store: http://store.apple.com/Apple/WebObjects/germanstore/

[4] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[5] Macworld Expo 2008: Superflaches Macbook Air: https://www.cnet.de/39160258/macworld-expo-2008-superflaches-macbook-air/?pid=1#sid=39160958