VideoWeb 600S im Test: DVB-S2-Receiver mit Zugriff auf Internet-Videotheken

von Harald Karcher am , 13:24 Uhr

Pro
  • sehr gute Bildqualität bei SD und HD
  • Hybrid-Breitband-TV-Norm HbbTV
  • Privat-HD-Senderempfang HD+
  • Internet-Apps wie Picasa
  • ständige Weiterentwicklungen
  • zukunftsfähig bis zum 3D-Web-TV
Con
  • HDMI-Ton-Verzerrung beim Gerätestart
  • nicht alle USB-Platten sind kompatibel
  • kein DLNA-Streaming
Hersteller: Videoweb Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 8,5 von 10 Punkte
Fazit:

Der VideoWeb 600S ist ein sehr nützlicher Hybrid-Receiver für fortgeschrittene HDTV-Nutzer, die neben einem exzellenten Sat-TV-Empfang auch noch die jüngsten TV-Trends wie HD+, HbbTV, personalisierte TV-Favoriten und innovatives, zeitversetztes Web-TV ständig an vorderster Front am eigenen Leibe miterleben wollen. Wer eine internetbasierte Ersteinrichtung scheut, findet auf dem Markt auch einfachere TV-Receiver.

Der VideoWeb 600S ist ein innovativer Hybrid-Receiver für Sat-TV und Web-TV. Er bringt HD-Sendungen aus der Luft und aus dem Internet, samt Twitter und Picasa, auf bereits vorhandene HDTV-Fernsehgeräte. Auch jüngste TV-Trends wie HbbTV und HD+ beherrscht er schon.

Die Tage von Fernsehzeitschriften und von fixen Sendeterminen scheinen gezählt. Der VideoWeb 600S bringt so viele Online-Funktionen mit, dass man meinen könnte, das Fernsehen, wie wir es kennen, wäre schon fast überflüssig. Dennoch: Wer sich noch nicht mit dem aktuellen Video-on-Demand-Angebot anfreunden kann, findet in dem Receiver auch noch einen Tuner für Satelliten-TV, der sogar die neuen HD+ Sender unterstützt.

Rechts vorne hat der VideoWeb 600S [1] eine Klappe. Dahinter steckt eine HD+ Karte. Sie erlaubt den Empfang der privaten HD+ Sender von Pro7, SAT.1, RTL, Vox und Kabel Eins. Die HD+ Karte ist für 12 Monate aufgeladen und im Listenpreis des VideoWeb 600S von 299 Euro enthalten. Nach Ablauf kann der User ein weiteres HD+ Jahresabo [2] für 50 Euro nachladen oder eine weitere HD+ Karte für 55 Euro nachkaufen. Unter der HD+ Karte sitzt ein leerer Schacht für einen CI-Common-Interface-PCMCIA-Adapter. Im Prinzip kann man hier weitere Pay-TV-Karten von in- und ausländischen Pay-TV-Abo-Sendern installieren. Links neben der Klappe verdeckt ein Gummipfropfen den vorderen USB-2.0-Slot. Schließt man hier eine kompatible USB-Platte an, so lassen sich SD- und HD-Sendungen aufzeichnen und wieder abspielen.

An der Rückseite des VideoWeb 600S sitzt links oben ein LNB-Antennen-Eingang: Im Test hängt der VideoWeb-Receiver ganz konkret am Quad-LNB einer 60cm Satelliten-Empfangs-Schüssel, die auf die Astra-Orbitalposition 19,2 Grad Ost ausgerichtet ist. Das Internet wird per Ethernet-Kabel über eine AVM FRITZ!Box Fon WLAN 7270 zugespielt, die ihrerseits über ein Thomson Breitband Kabelmodem an einer 32 Mbps Internet Flatrate von Kabel Deutschland hängt. Testweise wird der VideoWeb 600S Receiver auch an einer VDSL 50 Mbps Flatrate von 1&1 alias Deutsche Telekom AG betrieben, was aber keinen nennenswerten Vorteil bringt, weil SD-Filme dank effizienter Kompression seitens VideoWeb sowieso nur mit maximal 1 Mbps, SD+ Filme mit 2 Mbps und HD-Filme mit 3 Mbps in die Web-TV-Box übertragen werden.

Als Display kommt im Test ein 42-Zoll-Fernseher vom Typ Philips 42PFL7603D/12 mit Ambilight-Hintergrund-Beleuchtung zum Einsatz. Der flache Fernseher vom Baujahr Mai 2009 hat zwar schon ein Full-HD-Display mit 1920 mal 1080 Pixeln, aber noch keine eingebauten Internet-Features. Der Philips-TV versteht die vom VideoWeb 600S zuspielbaren Video-Auflösungen 576p, 720p und 1080i sowie dessen unterstützte Video-Formate 4:3 und 16:9 auf Anhieb. Lediglich mit 1080p kommt der VideoWeb 600S noch nicht zurecht. Das ist für Sat-TV derzeit noch nicht nötig, weil die HD-Sender in der Regel eh nur 720p oder 1080i ausstrahlen. Hinten am Receiver sitzt rechts außen noch das fest verankerte Netzkabel sowie ein Netz-Kippschalter, mit dem das Gerät auch hardwaremäßig ein- und auszuschalten ist. Scart- und S-Video-Anschlüsse hat der VideoWeb 600S nicht. Wer schon einen modernen HD-Gerätepark hat, wird diese älteren Anschlüsse aber kaum noch vermissen.

Geräte-Personalisierung und Startverhalten

Nach einer kurzen Registrierung des VideoWeb 600S auf dem Internetportal der Karlsruher VideoWeb GmbH [4] meldet die Box auf dem Philips Fernseher in dicken Lettern: „VideoWeb. Herzlich Willkommen… Ihr persönliches Profil wird nun geladen… Sie werden anschließend automatisch auf Ihre persönliche Startseite weitergeleitet.“ Ein paar Sekunden später erscheint das VideoWeb TV Portal 1.0.1060 auf dem Fernseh-Display und begrüßt den registrierten User rechts oben: „Herzlich Willkommen Harald Karcher!“ Alle weiteren Funktionen verbergen sich hinter bunten Icons, die an das iPhone erinnern.

Das Hochfahren des VideoWeb 600S dauert vom Einschalten am Hardwareschalter bis zur komplett geladenen Startseite knapp 46 Sekunden. Danach stehen sofort alle Sat-TV und Web-TV-Sender zur Verfügung. Bei voller Last zog der Receiver maximal 16 Watt aus der Steckdose.

Geräteabhängige Ton-Probleme

Der erste Button links oben im Receiver-Portal heißt schlichtweg TV. Ein Druck auf die Fernbedienung des VideoWeb 600S öffnet eine schön sortierte Übersicht der ansonsten uferlosen Satelliten-Fernsehprogramme. Ganz oben in der TV-Senderliste steht: Das Erste HD. Nach dessen Anwahl erscheint ein ausgesprochen gutes Videobild auf dem Philips Fernseher. Allerdings klingt der Ton aus den Lautsprechern des Philips-TV derart verzerrt, dass man gesprochene Sprache überhaupt nicht versteht und auch bei Musikvideos kein Genuss aufkommt.

Der Versuch, das Ton-Problem über den im Philips TV eingebauten Entzerrer herauszuregeln, bringt keine zumutbare Besserung. Die Lösung: Nach dem Hochfahren der Box muss man das HDMI-Kabel kurz abziehen und ein paar Augenblicke später wieder einstecken. Danach klingt der Ton nicht mehr verzerrt. Diese Methode ist natürlich unbequem, besonders wenn man schon gemütlich auf der Couch lümmelt. Offenbar ist das Ton-Problem vom TV-Gerät abhängig. Es gibt auch User, die mit dem Klang des VideoWeb-Receivers ausgesprochen glücklich sind.

Sat-TV mit SD, HD und HD+

Sieht man von diesem Schönheitsfehler einmal ab, so kommen erfreuliche TV-Funktionen aus der innovativen Receiver-Box. Die vielen Satelliten-Sender sind seitens VideoWeb gut vorselektiert und in 17 Themen-Gruppen einsortiert. Ansonsten würde man von der Fülle der Satelliten-Kanäle doch fast erschlagen. Das ASTRA [5]-Satellitensystem überträgt per Dezember 2010 laut eigenen Angaben aus 16 Satelliten bereits mehr als 2.600 analoge und digitale Fernseh- und Radiokanäle, davon alleine 160 HD-Kanäle. Das will fast niemand selber prüfen und sortieren.

Die VideoWeb Sendergruppe 001 heißt schlicht TV: Sie listet zuoberst die wichtigsten „freien“ HD-Programme: Etwa Das Erste HD, ZDF HD und Arte HD. Es folgen im VideoWeb-Menü die kostenpflichtigen, privaten HD+ Programme namens RTL HD, VOX HD, ProSieben HD, SAT.1 HD und Kabel Eins HD. Nicht selten strahlen diese Sender wirklich gute HD-Filme aus, insofern bringt HD+ eine deutliche Bereicherung. Viele ältere Aufzeichnungen wurden aber anno dazumal noch gar nicht mit hochauflösenden HD Fernsehkameras aufgenommen. Diese alten Streifen werden von den Sendern dann meist nur auf eine HD Auflösung hochgerechnet, aber noch im alten 4:3-SD-Format ausgestrahlt: Damit bleiben zwei große schwarze Balken rechts und links auf dem 16:9 HDTV Fernsehbildschirm. Nach weiteren freien SD- und HD-Sendern einschließlich Astra HD Demo und Eins Festival HD folgen, ebenfalls sehr schön sortiert, die dritten Programme der ARD. Danach meldet sich das komplette Pay-TV Angebot von Sky Deutschland, das mit der eingesteckten HD+ Karte natürlich nicht angeschaut werden kann. Nach einigen deutschen Lokalsendern folgen die österreichischen Sender der Gruppen ORF und ORF HD, deren Empfang wiederum eine weitere, gesonderte Karte erfordert, die in der Regel nur Staatsbürger mit Wohnsitz in Österreich bekommen. Danach wird es international: BBC World, CNBC Europe, CNN International, Euronews und so weiter. Es folgen Sender aus Frankreich, Spanien und Arabien. Auf Position 1011 taucht übrigens „Servus HD“ auf. Der freie Alpen-Adria-Kanal gehört zum Salzburger Getränkekonzern Red Bull und strahlt auch immer wieder hochwertige HD-Sendungen aus. Ansonsten ist natürlich ARTE HD für sein kulturell sehr anspruchsvolles Programm bekannt.

In Sendergruppe 002 fasst VideoWeb die Satelliten-Radiosender zusammen. Internet-Radiosender dagegen hat der VideoWeb 600S im Test nicht unterstützt. Gruppe 003 heißt Meine Favoriten: Hier kann sich jeder seine persönlichen Lieblingssender ganz bequem über das VideoWeb-Internetportal am PC zusammenstellen. Rubrik 004 nennt sich Hauptsender, unter 005 findet man ausschließlich HD-Sender, 006 listet alle Regionalsender, 007 fasst alle Dritten Programme zusammen. Unter 008 finden sich alle Nachrichtensender, 009 enthält alle Sender mit religiösen und kulturellen Schwerpunkten, 010 Dokumentation, 011 Sport, 012 Gesundheit, 013 Kinder und Humor, 014 Musik und Lifestyle, 015 Reise und Shopping, 016 Spartensender und 017 Internationale Sender. Einige Sender mit sehr breiten Programm-Angeboten tauchen in mehreren Rubriken auf. Die Sortierung wirkt insgesamt gelungen und vernünftig. Die Schnellsuche der Sender funktioniert ebenfalls einwandfrei. Tippt man nur ein A in die Fernbedienung, so erscheint sofort eine Auswahlliste mit ARTE HD, Anixe HD, Astra HD Demo, ARTE SD und so weiter. Soviel zum Satellitenfernsehen, das bei SD- und bei HD-Sendungen mit einer hohen Bildqualität überzeugen kann.

Web-TV von Kino bis Klassik

Zehn Buttons im Hauptportal des VideoWeb-Receivers bringen grob gesagt das IPTV-Fernsehen aus dem Internet auf den TV-Bildschirm. Unter dem Button HD Kino werden komplette Kinofilme kostenpflichtig aus dem Internet angeboten. Etwa Kampf der Titanen, Harry Potter oder ZweiOhrKüken. Der Kinofilm „Knight and Day“ etwa, mit Tom Cruise und Cameron Diaz, Kinostart am 22. Juli 2010, lässt sich zum Testzeitpunkt ab 4,99 Euro in SD-Qualität ausleihen. In HD-Qualität kostet er 5,99 Euro Leihgebühr. HD-Kino-Filme benötigen 3 Mbps, SD+ benötigt 2 Mbps und die einfache SD-Qualität kommt mit 1 Mbps aus. Wer noch keine 3 Mbps aus dem Internetanschluss bekommt, etwa auf dem Lande, kann sich die erhöhte Leihgebühr für HD-Filme sparen und gleich eine geringere Filmauflösung anklicken. Die Filme kosten zwischen 2,99 und 5,99 Euro Miete für 24 Stunden.

Hinter dem Button Kinovorschau verbergen sich kostenlose Trailer zu aktuellen und künftigen Kinofilmen. Die meisten sind in allen drei genannten Qualitätsstufen SD, SD+ und HD verfügbar. Das Icon HD Klassik bietet vier kostenlose Konzertvideos von Beethoven, Schubert, Brahms und Mendelssohn. Sie kommen in einer auffallend guten HD Qualität auf den TV-Screen.

Der vierte Web-TV Button ist mit Mediatheken und HbbTV bezeichnet gehört den Online-Videotheken. In dieser Rubrik hat sich das Angebot seit der IFA im September 2010 drastisch verbessert: Derzeit sind unter anderem die Mediatheken von ARD, ZDF, Das Erste, RBB, Radio Bremen, ARTE und Anixe HD über den VideoWeb 600S Receiver am TV-Screen verfügbar.

Gerade in den Mediatheken sticht seit kurzem eine neue Technik namens HbbTV [6] vermehrt ins Auge. Der neue Standard „Hybrid Broadcast Broadband Televison“ ermöglicht es den Fernsehsendern, interaktive Inhalte zum laufenden TV-Programm zu senden. Die HbbTV-Anwendungen der Sender gehen seit Herbst 2010 Schritt für Schritt live „auf Sendung“. Tatsächlich erscheint seit kurzem in immer mehr TV Sendungen und Mediatheken ein roter Button, der die interaktiven Menüs öffnet. Der grüne Knopf der Fernbedienung führt in eine Programmübersicht, der gelbe Knopf in die Mediatheken und der blaue in den Videotext. Einige Sender gestalten HbbTV so, dass das Fernsehbild weiterläuft und die neuen Inhalte transparent über das Bild gelegt werden.

In den Mediatheken kann man Filme und Nachrichten On-Demand, also auf Knopfdruck, zu jeder Tages- und Nachtzeit aus dem Internet heraus starten. Die Tagesschau zum Beispiel ist in thematische Videoclips unterteilt, die sich mit der Fernbedienung einzelnen anwählen lassen. Wer sich nur für das Wetter interessiert, springt gleich zum Wetter-Clip und muss nicht die komplette Nachrichten-Sendung anschauen. Egal, ob man nun alle Kapitel der Sendung nonstop nacheinander oder kreuz und quer durcheinander anschaut: Zwischen den einzelnen Videoclip-Kapiteln war im Test immer eine kurze Ladepause, die aber nicht sehr störend wirkte. Im linken Teil des Philips-Fernsehers erschien die Kapitelübersicht, im rechten Teil das laufende Videobild. Scrollt man mit den Cursortasten der Fernbedienung in das kleine Videobild hinein und bestätigt mit „okay“, so kommt die Tagesschau formatfüllend in der so genannten HQ High Quality. Das schaut zwar ganz passabel aus, ist aber weit entfernt von der brillanten HD-Qualität, die ansonsten über die Satellitenschüssel auf die Mattscheibe gelangt. Im Gegensatz zum Sat-Empfang ist die Tagesschau aus dem Internet jedoch an keine feste Startzeit gebunden. Die IPTV-Nachrichten-Sendung aus dem Internet lässt sich außerdem beliebig per Fernbedienung unterbrechen und an gleicher Stelle wieder als Web-TV-Stream fortsetzen.

Gelegentlich ruckeln all die bisher genannten IPTV-Sendungen aus dem Internet. Das Gleiche passiert aber auch, wenn man die Mediatheken der Fernsehsender über den Browser eines Laptops aufruft. Das gelegentliche Ruckeln scheint somit weder an der VideoWeb-TV-Box, noch an den verwendeten Laptops, noch an den verwendeten Internet-Leitungen KD 32 und VDSL 50, sondern an den zeitweise etwas überlasteten Servern der Sender zu liegen.

Der fünfte Web-TV-Button namens Nachrichten erschließt die Angebote von Tagesschau, heute in 100 sec., BILD.de, ARD-Text, SKY News, NBC News, EinsExtra, WDR Text und BR Text. Ein gleichnamiges Icon führt in das kostenlose Fitness TV (in SD-Qualität) mit sportlichen Web-TV-Sendungen wie etwa Drehender Hund, Katze und Kamel, der Rosenstock, die Schulterbrücke, die Heuschrecke, das Krokodil oder Nachspüren und Entspannen.

Die Schaltfläche Free VoD hielt zum Testzeitpunkt zehn kostenlose SD-Kinofilme aus dem Internet bereit. Der erste nennt sich „Eine Hochzeit zum Verlieben“ und hatte seinen Kinostart am 25.06.1998. Klar, dass es für null Euro hier keine tagesaktuellen Blockbuster gibt.

Der achte Web-TV-Button namens Tagesschau führt nur als Link in das Nachrichten-Portal. Das gleiche gilt auch für das neunte Web-TV-Icon namens Bild.de. Das zehnte Schaltfläche heißt NASA TV und führt zu sechs kostenlosen HD-Filmen in englischer Sprache.

Hinter WebTV & TV-Apps verbergen sich derzeit vier ziemlich unterschiedliche Auftritte namens Channel 21, Sevenload, hörbuch-direkt.tv und golem.de. Das Angebot reicht hier quer durch den Gemüsegarten: von Online-Shopping bis Computernachrichten. Sevenload stellte in der Testphase kaum attraktive Videos ein. Ein Vollzugriff auf Youtube wäre hier weitaus interessanter. Den gab es zum Testzeitpunkt aber leider noch nicht.

Web Streams führt zu drei Musikvideosendern aus Frankreich, Ungarn und Polen. Dazu kommen Nachrichten-Streams von NBC, Sky News oder IT News, angereichert um Medizin-TV, Inventions-TV, Fashion-Guide-TV, Auto-TV, Reiter-TV oder Kung Fu TV. Laut VideoWeb sind hier „die ersten 20 TV-Sender direkt aus dem Internet per Streaming abrufbar, die nicht per Sat empfangbar sind“.

Manche Leute hängen ihren Laptop an den Fernseher, um ein offenes Kaminfeuer auf den großen Flachfernseher zu zaubern. So etwas kann der VideoWeb 600S Receiver ebenfalls: Unter dem Button HD Screensaver kommen Amöben, Wolken, Kerzen, Nordlichter und viele weitere Stimmungsmacher auf das große Wohnzimmer-Display – live aus dem Internet, nicht von der lokalen Festplatte. Ob sinnvoll oder nicht, mag jeder für sich selbst entscheiden. Leider kommen die Bildschirmschoner ohne Ton daher. Es knistert also nicht beim virtuellen Kaminfeuer aus den TV-Lautsprechern.

Picasa und Twitter auf dem Fernseher

Dank Picasa-Unterstützung kommen hochauflösende Fotos formatfüllend auf den HD-Fernseher. Die hinterlegten Demo-Bilder hatten im Test via KD 32 zwar durchaus wahrnehmbare Ladezeiten, wirkten danach aber brillanter auf dem TV-Display als jedes bewegte Video.

Der letzte content-orientierte Button namens Twitter bringt das Microblogging-Portal auf den Fernseher. Auch hier wird ersichtlich, dass sich der Flatscreen bald noch viel stärker zu einem interaktiven Kommunikationsterminal mit Personalisierungspotential entwickeln könnte. Allerdings war die optische Aufbereitung von Twitter auf dem Flachfernseher im Test noch gar nicht überzeugend. Unter anderem war die Schrift viel zu klein.

Das Icon Einführung führt zu gut gemachten Lehr-Videos mit den Themen Inbetriebnahme, Personalisierung, Video-on-Demand, Festplattenrekorder und Red-Button-TV. Dafür spart sich VideoWeb jedes gedruckte Handbuch und jede Betriebsanleitung im PDF-Format. Es gibt lediglich ein Online-Handbuch [7] auf der Website des Herstellers. Dieses wird laut VideoWeb ständig aktualisiert.

Festplattenrekorder

Nach Anschluss einer externen USB-Festplatte am vorderen oder hinteren USB-2.0-Anschluss des VideoWeb 600S kann der User Sat-TV-Filme in sehr ordentlicher SD- oder HD-Qualität aufzeichnen. Dagegen konnten wir Web-TV-Streams, TV-Apps, Twitter und Picasa-Inhalte im Test nicht auf Platte mitschneiden.

Vor der ersten Aufnahme musste die externe Festplatte durch den VideoWeb 600S formatiert werden. Das hat beim ersten Versuch mit einer betagten 250-GByte-Platte von Samsung [8] via USB 2.0 auch auf Anhieb geklappt. Danach waren die Filme jederzeit wieder in guter Qualität auf dem HDMI-Fernseher von der Samsung-Platte abspielbar. Die Bedienung der Aufnahmefunktion ist sehr intuitiv und einfach.

Der Versuch, die aufgenommenen SD- und HD-Videos sowie HD+ Filme aus der Samsung-Festplatte an einem Windows 7 oder Windows Vista Laptop abzuspielen oder gar auf diesen zu kopieren, ist jedoch fehlgeschlagen. Die vom VideoWeb 600S formatierte Samsung-Platte wurde fortan von Windows nicht einmal mehr erkannt.

Laut VideoWeb formatiert der Receiver die externe USB Festplatte mit EXT3. Will man sie später wieder an einen Windows Laptop in das NTFS-Format zurückformatieren, so empfiehlt VideoWeb im Online-Handbuch das passende Vorgehen [9]. In unserem Test war das mit normalen Windows-Bordmitteln aber nicht nachvollziehbar, denn die Platte wurde von den Laptops nicht mehr erkannt.

Zwei fabrikneue 500-GByte-Festplatten von Iomega mit USB-3.0-Anschluss und NTFS-Formatierung konnte der Videoweb Receiver erst gar nicht selber umformatieren. Offenbar ist das Multifunktions-Gerät von VideoWeb bei den Festplatten sehr wählerisch. Bleibt zu hoffen, dass Besserung über künftige Firmware-Updates eintritt. Im Online-Handbuch listet Videoweb zum Redaktionsschluss elf Festplatten [10] von 320 GByte bis 1 TByte, die erfolgreich am VideoWeb 600S getestet wurden.

Fazit: Licht und Schatten

Im Funktionsbereich Sat-TV bringt der VideoWeb-Receiver neben all den bisher schon bekannten, freien SD- und HD-Sendungen jetzt auch noch die neuen HD+ Programme der privaten Fernsehsender auf jeden bereits vorhandenen, kompatiblen Fernseh-Empfänger mit passendem HDMI-Eingang. Das schier endlose Sat-TV-Senderangebot wird aus dem Internet heraus recht sinnvoll in 17 Themen-Gruppen einsortiert. Die Bildqualität ist auffallend gut.

Im Funktionsbereich Web-TV reicht das Angebot von kostenlosen Kinofilmen sowie Sparten- und Nischenprogrammen bis hin zu aktuellen Bezahl-Videos. Ebenfalls über das Internet kommen die Mediatheken der öffentlichen und der privaten Fernsehsender. Die Web-TV-Inhalte wurden vom Hybrid-Receiver im Test einwandfrei auf das große Philips-Fernseh-Display umgerechnet. Auch beim Web-TV ist die Bildqualität auffallend gut, sofern das Ausgangsmaterial, die aktuelle Serverleistung und der aktuelle Internet-Durchsatz mitspielen.

Quer über etliche Sat-TV- und Web-TV-Angebote hinweg bringt der VideoWeb 600S Receiver seit Herbst 2010 fast jede Woche mehr interaktive Funktionen des neuen HbbTV-Standards auf das angeschlossene TV-Display. Selbst brandneue Luxus-Fernseher der obersten Preisklasse können kaum mehr Internet- und HbbTV-Funktionen zusammen mit der Unterstützung von HD+ unter einer einzigen Haube integrieren. Der VideoWeb-Receiver bringt all diese modernen Online-Funktionen auch nachträglich auf bereits vorhandene HDMI-kompatible Fernsehgeräte.

Wer die vielen innovativen Features des VideoWeb 600S braucht und schätzt, kann schon heute einen großen Nutzen aus dem Gerät ziehen. Wer sich dagegen an den Kinderkrankheiten beim HDMI-Ton und über die geringe Kompatibilität zu externen USB-Festplatten beim Videorecording stört, sollte vor einem Kauf beim Hersteller nachfragen, ob diese schon behoben wurden. Alternativ sollte man die Kompatibilität des VideoWeb 600S mit dem konkret vorhandenen Fernsehgerät und mit bereits vorhandenen USB-Festplatten überprüfen, bevor eine eventuelle Rückgabefrist abläuft.

Der VideoWeb 600S ist jedoch so angelegt, dass er auch an weiteren TV-Entwicklungen teilnehmen kann: Auf den Münchener Medientagen im Oktober 2010 etwa hat der Web.de-Gründer und heutige VideoWeb-CEO Matthias Greve auch schon 3D-Streams aus dem Internet über seine Hybrid-Box auf Samsung-Fernsehern gezeigt. Das Ergebnis konnte mit entsprechenden 3D-Brillen überzeugen. Allerdings gibt es derzeit noch nicht genügend frei verfügbare 3D-Filme für ein sinnvolles 3D-Video-On-Demand-Angebot. Trotzdem ist es gut zu wissen, dass der VideoWeb 600S Receiver von seiner Hardware-Power her schon heute auf 3D-Web-TV an 3D-Fernsehern vorbereitet ist.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41542561/videoweb-600s-im-test-dvb-s2-receiver-mit-zugriff-auf-internet-videotheken/

URLs in this post:

[1] VideoWeb 600S: http://www.videoweb.de/contents/600s.html

[2] HD+ Jahresabo: http://www.hd-plus.de/

[3] VideoWeb 600S: Sat-Internet-Receiver mit HbbTV-Unterstützung: https://www.cnet.de/41542564/videoweb-600s-sat-internet-receiver-mit-hbbtv-unterstuetzung/?pid=1#sid=41542561

[4] VideoWeb GmbH: http://www.videoweb.de/contents/impressum.html

[5] ASTRA: http://www.astra.de/

[6] HbbTV: http://www.hbbtv.org/

[7] Online-Handbuch: http://handbuch.videoweb.de/Installation

[8] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[9] passende Vorgehen: http://handbuch.videoweb.de/Tipp-HarddiskFormat

[10] elf Festplatten: http://handbuch.videoweb.de/Dauer-der-Formatierung-einer-Festplatte