Netgear Push2TV HD (PTV2000): Verwandelt HD-TVs via Intel WiDi in kabellose Displays

von Craig Simms und Gerald Strömer am , 18:20 Uhr

Pro
  • unkompliziertes Hardware-Setup
  • 1080p-Desktop-Streaming funktioniert sehr gut
  • Audio ist synchron
  • Nutzung mehrerer Adapter möglich
Con
  • übermäßig komplexe Software-Updates
  • 720p- und 1080p-Videos mit hohen Bitraten laufen nicht ganz flüssig
  • für Gaming zu langsam
  • funktioniert nur mit Intel-WiDi-kompatiblen Notebooks
Hersteller: Netgear Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Netgear hat mit dem PTV2000 ein nettes, kleines Gerät konzipiert, das einen Ausblick auf die Zukunft kabelloser Videoübertragung gibt. Aber die Beschränkung auf Intel-Produkte und Bandbreitenprobleme sorgen dafür, dass das gute, alte HDMI-Kabel derzeit immer noch die bessere Lösung ist.

Mit dem Netgear Push2TV HD (PTV2000) haben unsere australischen CNET-Kollegen einen einfach zu bedienenden TV-Adapter getestet, mit dem man Intel-WiDi-kompatible Notebooks kabellos mit HD-Fernsehern verbinden kann. Wie gut das in der Praxis funktioniert, verrät der Testbericht.

Der Netgear Push2TV HD (PTV2000) [1] wurde Ende Juni diesen Jahres [2] mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 115 Euro vorgestellt. Das Gerät ist derzeit aber bereits zu Preisen ab 79 Euro am deutschen Markt erhältlich.

Design und Ausstattung

Netgears Push2TV HD (PTV2000) – in der Optik übrigens den Routern des Unternehmens sehr ähnlich – ist das erste von uns getestete Gerät, das Intels Wireless-Display-Technik (WiDi) [3] nutzt. Es ist ein kleines Gerät [4], mit dem man die Bildschirmdarstellung von einem kompatiblen Notebook [5] kabellos auf hochauflösende Großbildfernseher streamen kann – und das in Auflösungen von bis zu 1080p.

Dafür braucht man allerdings ein WiDi-kompatibles Notebooks [6] – und wenn man bedenkt, wie schwer es einige Hersteller Interessenten machen, den WLAN-Chip in einem bestimmten Notebook vor dem Kauf zu identifizieren, könnte die Wahl des richtigen Notebooks durchaus eine Herausforderung darstellen. Zum Glück bewerben zwar einige Hersteller aktiv Intels WiDi-Technik auf ihren Produktaufklebern, aber trotzdem könnte es für Technik-Laien schwer werden, diese Voraussetzung zu erfüllen.

Der Netgear Push2TV HD gibt sich dagegen angenehm unkompliziert. Die Front des Geräts ziert lediglich eine einzelne LED, die bei einer Verbindung zu einem Computer in einem konstanten Grün leuchtet oder grün blinkt, wenn die Verbindung aufgebaut wird. Wenn das Gadget auf eine mögliche Verbindung wartet, leuchtet sie Gelb. Die Rückseite ist ähnlich simpel strukturiert: Neben der Stromversorgung finden sich hier ein Ein-/Aus-Schalter, ein HDMI-Port und eine aus drei Cinch-Steckern bestehende AV-Composite-Schnittstelle. Das Hardware-Setup des Geräts ist mit dem Anstecken der betreffenden Kabel – Netzteil und HDMI-Kabel werden übrigens mitgeliefert – bereits erledigt.

Die Front des TV-Adapters ist ungewohnt schlicht; hier gibt es nur eine Status-LED. [7]
Die Front des TV-Adapters ist ungewohnt schlicht; hier gibt es nur eine Status-LED.

Softwareseitig gestaltet sich das Ganze ein wenig komplizierter. Man muss sicherstellen, dass die WLAN- und Grafiktreiber auf dem Notebook auf dem neuesten Stand sind, und dann ist zusätzlich noch die Installation der Wireless-Display-Software erforderlich. Die dafür nötigen Programme hat Intel auf einer Webseite [8], zusammengestellt.

Sobald diese Vorarbeiten erledigt sind, kann die WiDi-Anwendung vom Startmenü aus gestartet und der My-Wi-Fi-Service aktiviert werden, so dass man sich mit dem Adapter – Intels Sprachgebrauch für das Streaming-Gerät, nicht den Netzwerkadapter des Notebooks – verbinden kann. Firmware-Updates bezieht der betreffende Adapter übrigens ebenfalls über die WiDi-Software. Es ist außerdem möglich, sich simultan mit mehreren Adaptern verbinden, wenn dazu Bedarf besteht.

Die Synchronisierung mit dem Push2TV HD ist einfach. Nach der ersten Verbindung zeigt der Fernseher einen Sicherheitscode an. Diesen Code gibt man am Notebook ein und ist damit – zumindest in der Theorie – schon fertig. Läuft allerdings eine Firewall auf dem Notebook, besteht eine gute Chance, dass noch ein Autorisieren der WiDi-Verbindung erforderlich ist.

In Bezug auf das Arbeiten auf dem Desktop ist die WiDi-Anbindung überraschend schnell. Ton wird perfekt gepuffert: Wir konnten während des kompletten Testzeitraums keinen einziges Stottern feststellen. Es kommt durchaus auch mal zu Störungen, und jedem geübten Auge ist sofort klar, dass das ein bisschen schmutzig aussehende Bild komprimiert ist. Aber alles in allem ist das Endergebnis für eine 2,4-GHz-Verbindung ziemlich beeindruckend. Die Anbindung ist zudem auf Distanzen von bis zu sieben Metern stabil – größere Strecken konnten wir aufgrund der Begrenzungen unseres Testlabors nicht austesten.

Bei Problemen mit der Bildgröße – PCs neigen bei einer Anbindung via HDMI gern zu einem Over- oder Under-Scan – macht Intels Wireless-Display-Anwendung die manuelle Skalierung des Bildes zum Kinderspiel. So ist sichergestellt, dass das Bild ein Maximum der Displayfläche einnimmt, ohne deren Grenzen zu überschreiten.

Als Grundeinstellung der WiDi-Anbindung wird die Bilddarstellung des Notebooks gespiegelt. Aber da Notebooks oft eine niedrigere Auflösung als HDTVs haben, ist das selten die ideale Wahl. Um dem abzuhelfen, muss man in den Displayeinstellungen den Extended Mode aktivieren oder das interne Notebook-Display komplett abschalten und stattdessen den Fernseher mit seiner nativen Auflösung als Bildschirm nutzen. Wir wünschten nur, dass all diese Bedien- und Kontrollelemente auf einem Fleck versammelt wären – ein Laie könnte auch hier wieder schwer ins Schwimmen kommen oder müsste sich eben mit einer unbefriedigenden Auflösung auf dem Fernseher zufriedengeben.

Performance

Im Test lässt sich exzellent mit klassischen Office-Anwendungen auf dem Desktop arbeiten; die Verzögerung von Tastatur- und Mauseingaben auf dem Fernseher liegt bei etwa einer halben Sekunde. Damit ist die Lösung für Gaming-Zwecke allerdings völlig ungeeignet. Filme in DVD-Qualität werden problemlos abgespielt, aber sobald wir auf 720p- (6,5 MBit/s) und 1080p-Material (14,1 MBit/s) umsteigen, verzeichnen wir recht häufig Stottern und Ruckler.

Auch die Rückseite ist übersichtlich: Netzanschluss, Ein-/Aus-Schalter, HDMI-Port und AV-Composite-Eingang - das war's. [9]
Auch die Rückseite ist übersichtlich: Netzanschluss, Ein-/Aus-Schalter, HDMI-Port und AV-Composite-Eingang – das war’s.

Wir vermuten WLAN-Interferenzen und wechseln Örtlichkeit und Fernseher. Hier reduzieren sich die Probleme soweit, dass selbst 1080p-Filme überraschend flüssig laufen. Es gibt immer noch noch einen gelegentlichen Aussetzer oder Frame-Drop, und schnelle Action-Sequenzen sind nicht hundertprozentig flüssig, aber alles in allem waren Dialoge dennoch lippensynchron.

Es ist nicht die beste und schönste Möglichkeit, sich einen HD-Film anzuschauen, aber für eine 2,4-GHz-Verbindung ist das Ergebnis selbst mit aktiver Kompression ziemlich beeindruckend. Uns ist allerdings unklar, warum Intel für WiDi nicht das 5-GHz-Band nutzt: Die schnelleren Datendurchsätze und geringeren Interferenzen sollten es eigentlich zur logischen Wahl machen und die verringerte Reichweite dürfte angesichts der Tatsache, dass sich ein streamendes Notebooks in der Regel im gleichen Raum wie der Fernseher befindet, eigentlich auch kein Problem sein.

Fazit

Netgear hat mit dem Oush2TV HD (PTV2000) ein nettes kleines Gerät konzipiert, dass seinen Job überraschend gut macht. Diese Technologie muss allerdings noch etliche große Hürden überwinden, bevor sie im Mainstream ankommt: WiDi müsste für längere Zeit in eine große Anzahl von Fernsehern verbaut werden, die Intel-Limitierung müsste enden (oder alle Konkurrenten müssten vom Markt verschwinden – beides recht unwahrscheinlich), es bräuchte mehr Bandbreite für das flüssige Streaming von 1080p-Inhalten, und auch softwareseitig gibt es noch einiges zu tun.

WiDi bleibt dennoch eine verheißungsvolle Technik, und der Netgear Push2TV HD verdient sich eine gute Bewertung, da er innerhalb der technischen Einschränkungen von WiDi wirklich gut funktioniert. Aber das soll nicht von der Tatsache ablenken, dass unterm Strich die direkte Verbindung via HDMI-Kabel immer noch die einfachere und günstigere Lösung ist.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41557981/netgear-push2tv-hd-ptv2000-verwandelt-hd-tvs-via-intel-widi-in-kabellose-displays/

URLs in this post:

[1] Netgear Push2TV HD (PTV2000): http://www.netgear.de/products/home/hometheater/media-players/PTV2000.aspx

[2] Ende Juni diesen Jahres: http://www.netgear.de/press/pressemitteilungen/2011/20110621.aspx

[3] Intels Wireless-Display-Technik (WiDi): http://www.intel.de/content/www/de/de/architecture-and-technology/intel-wireless-display.html

[4] kleines Gerät: http://www.netgear.de/images/Datenblatt_PTV2000_deut22-21194.pdf

[5] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[6] WiDi-kompatibles Notebooks: http://www.intel.com/support/wireless/wtech/iwd/sb/CS-031059.htm

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41557981/netgear_ptv2000_03.jpg

[8] Webseite: http://www.intel.com/support/wireless/wtech/iwd/sb/CS-031109.htm

[9] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41557981/netgear_ptv2000_04.jpg