Folio 13: HPs erstes Ultrabook auf dem Prüfstand

von Joachim Kaufmann und Scott Stein am , 20:28 Uhr

Pro
  • lange Akkulaufzeit
  • gute Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung
  • zahlreiche Ports
Con
  • nicht ganz so schick wie andere Ultrabooks
  • schwerer und dicker als andere Ultrabooks
Hersteller: Hewlett Packard Listenpreis: 899 Dollar
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,2 von 10 Punkte
Fazit:

HP hat mit dem 899 Dollar teuren Folio 13 ein solides und performantes Ultrabook auf die Beine gestellt. Es sieht gut aus, ist aber kein echter Hingucker. Das Folio 13 ist ein wenig schwerer als die Konkurrenz von Asus oder Toshiba. Dank der komfortablen Tastatur eignet sich das Gerät gut als schlankes Office-Notebook. Lediglich das spiegelnde Display könnte manchen stören. Wann das Folio 13 auf dem deutschen Markt erscheint und wieviel es kostet, ist noch nicht ganz klar. Offen ist auch, ob HP den preislichen Abstand zur Konkurrenz hält.

Mit dem Folio 13 steigt HP in die Riege der Ultrabookhersteller auf. Zwar punktet der Hersteller in keiner Disziplin mit Bestwerten, das Gesamtpaket ist aber durchaus überzeugend. Im Test zeigt das kleine Gerät Stärken und Schwächen: Es ist schlicht nicht ganz so leicht und so flach wie die meisten seiner Konkurrenten. Dafür ist es aber vergleichsweise günstig – und der Akku hält rekordverdächtig lang.

2012 wird das Jahr der Ultrabooks. Einige Hersteller sind bereits Ende 2011 mit Geräten vorgesprescht, die verbleibenden ziehen jetzt nach. Zu den Nachzüglern gehört HP mit seinem Folio 13, das laut Hersteller für den Small-Business-Bereich vorgesehen ist. Abgesehen vom integrierten TPM-Chip gibt es aber keine weiteren Merkmale, die das Gerät für diesen Bereich prädestinieren. Nichteinmal der Screen ist entspiegelt. Mit anderen Worten: Auch als Endverbraucher kommt man mit dem Folio 13 auf seine Kosten.

Im Vergleich zu den bereits auf dem Markt befindlichen Ultrabooks ist das HP ein wenig dicker und ein wenig schwerer. Riesig sind die Unterschiede aber nicht. Es wiegt 1,5 statt gut 1,3 Kilogramm und misst 1,8 statt 1,7 Zentimeter. Ganz ehrlich: Ein Millimeter mehr oder weniger spielt in der Praxis keine Rolle.

Erfreulich: Mit 899 Dollar ist der Preis um etwa 100 Dollar günstiger als bei der Konkurrenz. Ebenso auf der Haben-Seite steht die lange Akkulaufzeit des Folio 13. Es markiert derzeit die Spitze unter den getesteten Ultrabooks. Die Preise für Deutschland stehen noch nicht fest.

Chassis

Das Design des Folio 13 wirkt vertraut. Es sieht aus wie ein Zwilling des HP Pavilion dm4, das vor einem Jahr auf den Markt kam. Fans besonders dünner Laptops wie dem MacBook Air werden das Folio 13 für etwas zu klobig halten. Wer von Standard-Notebooks ausgeht, sieht im HP ein schlankes Gerät mit hoher Portabilität. Es ist also alles eine Frage der Perspektive.

Auch wenn das Ultrabook mit seinem Deckel aus gebürstetem Aluminium gut aussieht – eine echter Hingucker ist es nicht. Für Anwender, die ihr Gerät nicht wie einen Ferrari behandeln, ist das aber eine gute Sache. Das Folio 13 hat eine Anmutung, die weniger auf Effekthascherei und mehr auf Seriosität ausgelegt ist. Das Chassis ist sehr verwindungssteif.

Die gummierte Bodenplatte fühlt sich angenehm an und sorgt für einen sicheren Stand auf dem Schreibtisch. Die Wärmeentwicklung ist trotz der unten angebrachten Lüfter unproblematisch. Diese Faktoren in Verbindung mit der geschmeidigen Handballenauflage und der komfortablen Tastatur machen aus dem Folio 13 ein Gerät, mit dem man gerne arbeitet. Es fühlt sich nicht wie ein Ultrabook an. Trotzdem gebührt HP ein Lob, dass es seine eigene Design-Philosophie umgesetzt und keine Kopie des MacBook Air erstellt hat.

Tastatur

Ein Druck auf den kleinen Power-Button über der Tastatur bootet das vorinstallierte Windows 7. Er ist aber so klein, dass man fast einen Fingernagel dazu benötigt – einer der wenigen Kritikpunkte in Sachen Ergonomie. Die breite, angehobene Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung ist exzellent. Sie schlägt die Keyboards anderer Ultrabooks. Der Freiraum um die einzelnen Tasten fällt großzügiger aus als beim Lenovo IdeaPad U300s oder dem MacBook Air, die ebenfalls hervorragend sind.

Das Gefühl beim Tippen erinnert ein wenig an HPs ProBook-Notebooks. Die Knöpfe fühlen sich weich an, haben aber einen deutlich Anschlag. Selbst Anwender, die beim Thema Tastatur sehr sensibel sind, dürften mit der des Folio 13 zufrieden sein. Die Steuerung der Medienkontrolle, etwa lauter oder leiser, erfolgt über doppelbelegte Tasten. Standardmäßig wird die Medienkontrolle ausgelöst – man muss vorher also nicht erst die Funktionstaste drücken. Das sollte bei allen Laptops so sein.

Touchpad

Das Touchpad, eigentlich handelt es sich aufgrund der eingelassenen Tasten ja eher ein Klickpad, ist komfortabel zu nutzen. Es erreicht aber nicht das hohe Niveau des MacBook Air, das auch unter Windows nach wie vor ungeschlagen ist. Im Test passieren mit dem Touchpad des HP weniger Fehler als bei anderen Windows-Laptops, manchmal kommt es aber doch zu Problemen, die beispielsweise einen Cut-and-Paste-Prozess verlangsamen.

Der Mausersatz hat im unteren Drittel markierte Bereiche, die die Position der rechten und linken Taste bestimmen. Das vergrößert letztlich auch die Gesamtfläche des Touchpads. Jedoch zeigt sich im Test, dass es etwas schwierig ist, die Maustasten zu erfühlen. Das Antwortverhalten beim Scrollen mit zwei Fingern ist passabel, von der Perfektion aber weit entfernt.

Display

Der glänzende 13,3-Zoll-Screen des Folio 13 löst 1366 mal 768 Pixel auf – Durchschnitt. Acers Zenbook schafft mit 1600 mal 900 Pixel deutlich mehr. Ob man eine so hohe Auflösung tatsächlich benötigt, ist aber fraglich. Des Screen des HP ist mit einer glänzenden Schicht überzogen. Das sieht zwar gut aus, sorgt aber für störende Reflexionen. Angesichts des Preises des Notebooks ist das Display in Ordnung, es handelt sich aber nicht um ein Highlight. Beim seitlichen Einblick kommt es ebenso schnell zu farblichen Veränderungen wie bei anderen Screens.

Lautsprecher

Das Dolby-Advanced-Audio-zertifizierte Stereo-Lautsprechersystem über der Tastatur ist lauter als erwartet. Damit eignet sich das HP zum Ansehen von Videos in Räumen mit Hintergrundgeräuschen. Die integrierte HD-Webcam löst überdurchschnittliche 1280 mal 1024 Pixel auf, also circa 1,3 Megapixel. Zum Vergleich: Die Webcam des Zenbook schafft nur 0,3 Megapixel.

Schnittstellen

Das Folio 13 wartet erfreulicherweise mit eine Vielzahl von Schnittstellen auf, darunter jeweils einmal USB 3.0 und USB 2.0, HDMI sowie Ethernet. Letzteres ist bei Ultrabooks eine Seltenheit. Auch einen SD-Slot hat HP integriert. Peripherie lässt sich drahtlos per Bluetooth anbinden.

Ausstattung

Derzeit hat HP zwei Ausstattungsvariante des Folio 13 im Angebot, die sich nur durch das Betriebssystem unterscheiden. Der Version mit Windows 7 Home Premium kostet 899 Dollar, die mit dem für Domänen-Netzwerke geeigneten Windows 7 Professional kostet 999 Dollar. Euro-Preise sind noch nicht bekannt.

Für Rechenleistung sorgt ein Intel Core i5-2467M [1] mit zwei Rechenkernen und 1,6 GHz Basistakt. Tubo Boost übertaktet einzelne Kerne zeitweise bis auf 2,3 GHz, wovon insbesondere Anwendungen profitieren, nicht nicht für die Nutzung mehrerer Kerne optimiert sind. Hyperthreading macht aus den zwei echten vier virtuelle Kerne, was die Auslastung der Recheneinheiten und damit letztlich die Performance erhöht. Als Grafik kommt die auf der CPU integrierte DirectX-10-Lösung HD 3000 zum Einsatz, eine diskrete GPU gibt es nicht. An Bord sind 4 GByte RAM und eine 128-GByte-SSD. Ein DVD-Laufwerk ist Ultrabook-typisch nicht eingebaut.

Das WLAN-Modul von Intel vom Typ Centrino Wireless N1030 [2] unterstützt die Standards 802.11b, g und n, funkt aber nicht im 5-GHz-Band nach 802.11a. In funkverseuchten Stadtwohnungen erreicht man damit möglicherweise höhere Datenübertragungsraten – einen entsprechenden Router vorausgesetzt. Zudem unterstützt das Modul Wireless Display [3]: In Verbindung mit einer Empfängerbox, beispielsweise der Netgear Push2TV HD [4], wird der Bildinhalt des Displays per WLAN auf einen Fernseher gestreamt. Der im Gerät integrierte TPM-1.2-Chip ermöglicht die sichere Speicherung kryptografischer Schlüssel, was wohl eher für Business-Anwender interessant ist.

Performance und Akkulaufzeit

Beim alltäglichen Gebrauch fühlt sich das Folio 13 sehr flott an. Das gilt auch für den Bootvorgang sowie das Aufwachen aus dem Standby. Ein Kaltstart dauert nur 20 Sekunden und das Aufwachen nur 4. Das HP fühlt sich so schnell an wie Apples MacBook Air, es ist aber nicht so leise. Die meiste Zeit hört man das Lüftergeräusch deutlich. Möglicherweise hilft es, die CoolSense-Einstellungen zu modifizieren.

Mit seinem 1,6 GHz schnellen Core i5 ist das HP ein wenig langsamer als andere Core-i5-basierte Ultrabooks, etwa das Asus Zenbook oder das Lenovo U300S. Allerdings ist es etwas schneller als das Toshiba Portégé Z835. Die Leistung liegt in der Nähe des Acer [5] Aspire S3. Zwar sind solche Peformanceunterschiede messbar, aber üblicherweise nicht spürbar.

Der fest im HP Folio 13 fest integrierte 59-Wh-Akku hält im Test 5 Stunden und 58 Minuten – ein exzellenter Wert für ein Ultrabook. Nur das MacBook Air schafft es noch ein wenig länger.

Multimedia multitasking test (in seconds)
(Shorter bars indicate better performance)
Dell XPS 14z [6]

551 
HP Folio 13

776 

Adobe Photoshop CS5 image-processing test (in seconds)
(Shorter bars indicate better performance)
Dell XPS 14z [6]

160 
HP Folio 13

219 

Apple [11] iTunes encoding test (in seconds)
(Shorter bars indicate better performance)
Dell XPS 14z [6]

100 
HP Folio 13

153 

Video playback battery drain test (in minutes)
(Longer bars indicate better performance)
HP Folio 13

358 
Dell XPS 14z [6]

277 

Systemkonfiguration

HP Folio 13
Windows 7 Professional (64 Bit); 1,6 GHz Intel Core i5-2467M; 4 GByte DDR3 1333 MHz; 64 MByte Intel HD 3000; 128GB Samsung [12] SSD

Dell XPS 14z
Windows 7 Home Premium (64 Bit); 2,8 GHz Intel Core i7-2640M; 8 GByte DDR3 1333 MHz; 1 GByte Nvidia GeForce GT 520M / 1 GByte (Dedicated) Intel GMA HD; 750 GByte Western Digital 7200rpm

Toshiba Portege Z835-P330
Windows 7 Home Premium (64 Bit); 1,4 GHz Intel Core i3-2367M; 4 GByte DDR3 1333 MHz; 64 MByte (Dedicated)/1696MB (Total) Intel GMA HD; 640 GByte Hitachi 5400rpm, Intel HD 3000 Toshiba 128 GByte SSD

Asus UX31E-DH52 (Zenbook)
Windows 7 Home Premium (64 Bit); 1,7 GHz Intel Core i5-2557M; 4 GByte DDR3 1333 MHz; 64 MByte (Dedicated) Intel GMA HD; 128 GByte SSD

Lenovo IdeaPad U300s
Windows 7 Home Premium (64 Bit); 1,8 GHz Intel Core i7-2677M; 4 GByte DDR3 1333 MHz; 64 MByte (Dedicated) Intel HD 3000; 256 GByte JMicron 616 SSD

Acer Aspire S3-951-6646
Windows 7 Home Premium (64 Bit); 1,6 GHz Intel Core i5-2467M; 4 GByte DDR3 1333 MHz; 128 MByte (Shared) Intel HD 3000; 320 GByte Hitachi 5400rpm + 20 GByte SSD

Fazit

HP hat mit dem 899 Dollar teuren Folio 13 ein solides und performantes Ultrabook auf die Beine gestellt. Es sieht gut aus, ist aber kein echter Hingucker. Das Folio 13 ist ein wenig schwerer als die Konkurrenz von Asus oder Toshiba. Dank der komfortablen Tastatur eignet sich das Gerät gut als schlankes Office-Notebook [13]. Lediglich das spiegelnde Display könnte manchen stören.

Wann das Folio 13 auf dem deutschen Markt erscheint und wieviel es kostet, ist noch nicht ganz klar. Offen ist auch, ob HP den preislichen Abstand zur Konkurrenz hält.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41558315/folio-13-hps-erstes-ultrabook-auf-dem-pruefstand/

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[1] Intel Core i5-2467M: http://ark.intel.com/de/products/56858/Intel-Core-i5-2467M-Processor-(3M-Cache-1_60-GHz)

[2] Centrino Wireless N1030: http://www.intel.com/content/www/us/en/wireless-products/centrino-wireless-n-1030.html

[3] Wireless Display: http://www.intel.com/content/www/us/en/architecture-and-technology/intel-wireless-display.html

[4] Netgear Push2TV HD: https://www.cnet.de/tests/entertainment/41557981/testbericht/netgear_push2tv_hd__ptv2000__verwandelt_hd_tvs_via_intel_widi_in_kabellose_displays.htm

[5] Acer: http://www.cnet.de/unternehmen/acer/

[6] Dell XPS 14z: https://www.cnet.de/laptops/dell-xps-14z/4505-3121_7-35043963.html

[7] Asus UX31E-DH52 (Zenbook): https://www.cnet.de/laptops/asus-zenbook-ux31e-dh52/4505-3121_7-35033683.html

[8] Lenovo IdeaPad U300s: https://www.cnet.de/laptops/lenovo-ideapad-u300s/4505-3121_7-35041988.html

[9] Acer Aspire S3-951-6646: https://www.cnet.de/laptops/acer-aspire-s3/4505-3121_7-35033636.html

[10] Toshiba Portege Z835-P330: https://www.cnet.de/laptops/toshiba-portege-z835-p330/4505-3121_7-35059775.html

[11] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[12] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[13] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/